TV-Tipp des Tages: "Wolfsfährte" (ARD)

TV-Tipp des Tages: "Wolfsfährte" (ARD)
Man kann bloß hoffen, dass dieser Thriller Erfolg hat, denn nur dann lässt die ARD-Tochter Degeto weitere Romane von Craig Russell verfilmen: "Wolfsfährte" ist großes düsteres Fernsehen.
28.10.2010
Von Tilmann P. Gangloff

"Wolfsfährte", 30. Okotber, 20.15 Uhr im Ersten

Der Krimi ist die erste Verfilmung von bislang vier Fällen mit dem Hamburger Kommissar Fabel. Wenn die ARD gut beraten ist, ignoriert sie das selbstauferlegte Quotendiktat und lässt dem Auftakt weitere Filme folgen. Die offenkundige Qualität liegt nicht nur in der von Daniel Martin Eckhart adaptierten Geschichte, die sich im Vergleich zum herkömmlichen Fernsehkrimi geradezu an der eigenen Undurchschaubarkeit ergötzt. Große Lust auf Fortsetzungen macht vor allem das ausgezeichnete Ensemble. Die wie für Peter Lohmeyer geschaffene Hauptrolle, der etwas düstere Jan Fabel, der in einem anderen Leben Historiker war, ist umgeben von interessanten Figuren, die ähnlich treffend besetzt sind: Lisa Maria Potthoff spielt Fabels Mitarbeiterin Maria, die eindeutig mehr als bloß Bewunderung für ihren Chef hegt; und Hinnerk Schönemann verkörpert den ehrgeizigen Henk Hermann, der im Verlauf des Falls neu zu Fabels Team stößt. Weitere Mitwirkende sind Marie Lou Sellem (Polizeipsychologin und Fabels Geliebte), Lars Rudolph (Fabels Freund Aki) und Manfred Lehmann (Fabels Vorgesetzter).

Sie alle profitieren von einer Geschichte, die an Komplexität jeden „Tatort“ weit in den Schatten stellt. Der Film beginnt mit einer gescheiterten Verhaftung, in deren Verlauf ein Polizist erschossen wird und Maria Klee traumatisierende Momente zwischen Leben und Tod verbringen muss. Der von Schuldgefühlen geplagte Fabel nimmt sich eine Auszeit, aber dann wird er wieder gebraucht: Ein Märchenmörder treibt sein Unwesen. Jedes Mal hinterlässt der Killer eine Botschaft mit verschlüsselten Hinweisen auf seine nächste Tat. Buchhändler Aki findet raus, dass er sich an den Märchen der Brüder Grimm orientiert. Trotzdem kann die Polizei keinen der Morde verhindern. Ins Visier gerät mehr und mehr ein Schriftsteller (Markus Boysen). Der Mann hält sich nicht nur für einen Werwolf, in seinem jüngsten Thriller begeht ein Mörder ganz ähnliche Untaten; und immer mehr Spuren deuten darauf hin, dass tatsächlich ein Wolf im Spiel ist.

Der Reiz der Handlung resultiert naturgemäß aus dem perfiden Spiel mit bekannten Märchenmotiven, den diversen falschen Fährten und der angelsächsischen Tradition des Serienkillers. Seine Faszination aber entfaltet der Film durch Urs Eggers am amerikanischen Kino orientierten düsteren Umsetzung (Kamera: Martin Kukula) und die Führung des großartigen Ensembles.


Der Autor unserer TV-Tipps, Tilmann P. Gangloff, setzt sich seit über 20 Jahren als freiberuflicher Medienkritiker unter anderem für "epd medien" und verschiedene Tageszeitungen mit dem Fernsehen auseinander. Gangloff (geb. 1959) ist Diplom-Journalist, Rheinländer, Vater von drei Kindern und lebt am Bodensee. Er gehört seit Beginn der 1990er Jahre regelmäßig der Jury für den Adolf-Grimme-Preis an und ist ständiges Mitglied der Jury Kinderprogramme beim Robert-Geisendörfer-Preis, dem Medienpreis der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD).