"ChurchNight"-Aktionen sollen Reformationstag beleben

"ChurchNight"-Aktionen sollen Reformationstag beleben
Dass die Erinnerung an die lutherische Reformation auch bunt und vielfältig gestaltet werden kann, zeigt seit vier Jahren eine Jugendinitiative der evangelischen Kirche. Am Wochenende ist es wieder so weit.

Mittelaltermärkte, Filmnächte, Luther-Quiz, vom Kirchturm abseilen oder einfach nur gemütlich vespern nach dem Motto "Futtern wie bei Luthern": Mit über 1.000 Veranstaltungen laden die evangelischen Kirchen in Deutschland auch dieses Jahr wieder zur "ChurchNight" am oder rund um den Reformationstag am Sonntag ein. Dieses Jahr bieten die Initiatoren zum zweiten Mal ein Thema an: "Die Entdeckung deines Lebens".

Mehr als 100.000 Besucher erwarten die Veranstalter. "Junge Menschen erleben bei ChurchNight eine Kirche, die alles andere als langweilig ist", sagt Angela Schwarz, ChurchNight-Projektleiterin im Evangelischen Jugendwerk in Württemberg. Das Jugendwerk hatte vor vier Jahren das Modellprojekt mit rund 200 Veranstaltungen in Württemberg und etwa 20.000 Teilnehmenden gestartet.

Hellwach und evangelisch

Der Schriftzug "hell.wach.evangelisch", garniert mit Sternen auf nachtblauem Grund, ist seit 2006 das Markenzeichen der "ChurchNight". Das sind die drei Eigenschaften, die nach Angaben der Veranstalter das geschichtliche Ereignis Reformation vor rund 500 Jahren beschreiben. Allerdings schließt "evangelisch" in ihrem Verständnis und in der Praxis der Veranstaltungen Mitglieder anderer Konfessionen nicht aus.

Der ChurchNight-Kampagne sei es gelungen, "das Reformationsfest als evangelischen Feiertag auf breiter Linie in unseren Gemeinden wieder ins Bewusstsein zu bringen, vor allem auch bei jungen Menschen", sagt der württembergische evangelische Landesbischof Frank Otfried July. Das Modellprojekt der Evangelischen Kirche in Deutschland sei vor allem in Württemberg zu einer "Marke" des Evangelischen Jugendwerks geworden, betont July.

Auftakt vor vier Jahren

Was am 31. Oktober 2006 begann, war auch ein Protest gegen die zunehmenden Halloween-Partys am Vorabend von Allerheiligen. Die Grundbotschaft der Reformation "allein aus Glaube - allein aus Gnade - allein Christus - allein die Schrift" sollte wieder aktuell werden. Schnell erwies es sich, dass auch die Erinnerung an die lutherische Reformation bunt und vielfältig gefeiert werden kann.

Wie der Reformator Martin Luther zu dem geworden ist, wie man ihn heute kennt, will auch ein Pilotprojekt zur ChurchNight im Raum Heilbronn aufzeigen. Dort haben Mitarbeiter und die Jugendreferentin Kathleen Kampes noch bis 29. Oktober einen "Reformationsgarten" aufgebaut, in dem das Leben und Wirken Luthers auf spielerische Art und Weise nachgelebt werden kann.

Mit Martin Luther in der Schule

"Wir gehen mit dem kleinen Martin Luther in die Schule, pauken Lateinvokabeln oder sitzen auf dem Marktplatz in Wittenberg", erzählt Kampes. Dabei soll es eine Mischung aus Erzählung und Aktion geben. "Die Besucher sollen mit Luther auch den "Leuten aufs Maul schauen" und darum ringen, die richtigen Worte für die Übersetzung der Bibel zu finden", sagt Kampes.

"Viele evangelische Christen wissen recht wenig über Martin Luther und die Ursachen und Grundlagen der Reformation", sagt Jörg Roth, Lehrer und ehrenamtlicher Mitarbeiter, der das Projekt mitentwickelt hat. Gerade in Zeiten, wo Halloween immer angesagter wird, sei es gut, ein Gegengewicht zu setzen, betont Roth.

epd