Nachwuchselite drängt auf Eid für Manager

Nachwuchselite drängt auf Eid für Manager
Junge Führungskräfte haben eine Art Eid entwickelt, dem sich alle Manager unterwerfen sollten, um soziale und ethische Fragen wieder in das Bewusstsein der Wirtschaft zu bringen.

Die Rechte und Würde jedes Menschen achten, künftigen Generationen einen sauberen Planeten erhalten, die Risiken seines Unternehmens allen Betroffenen offen legen: Damit mehr Führungskräfte in der Wirtschaft sich an diese Regeln halten, sollen Absolventen von Managerschulen eine Art hippokratischen Eid für Manager leisten. Gefordert wird dies von den Young Global Leaders - internationalen Führungskräften unter 40, die sich unter dem Dach des Weltwirtschaftsforums zusammengeschlossen haben.

Die Nachwuchselite stellte den fertig ausgearbeiteten "Global Business Oath" Anfang des Jahres auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos vor. Jetzt wollen sie ihn weltweit in den Managerschmieden verbreiten.

In Harvard und an der Thunderbird-University im US-amerikanischen Phoenix haben Absolventen im vergangenen Jahr bereits einen solchen Eid geleistet. 2011 schwören ihn auch die ersten deutschen Absolventen. Die EBS Universität für Wirtschaft und Recht in Wiesbaden führt das Davoser Gelöbnis ein. "Natürlich nicht verpflichtend. Die Bereitschaft muss von innen kommen, sonst hat es keinen Sinn", sagt Christopher Jahns, Präsident der EBS und wie Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) deutsches Mitglied der Young Global Leaders.

Kein Platz für ethische Fragen

In Deutschland bleibt die EBS damit aber erst mal einmalig. "Ethische Fragen haben in den meisten Wirtschaftsstudiengängen keinen Platz", kritisiert Jahns. Er hofft, dass die Diskussion um den Eid das ändern wird. Denn ob ein Manager-Eid Einfluss auf das spätere Verhalten der Absolventen im Berufsleben hat oder leeres Versprechen bleibt, ist umstritten.

Als PR-Maßnahme in der Finanzkrise bezeichneten viele den Schwur der Harvard-Studenten. Auch Jahns sieht ihn nicht als Allheilmittel. "Wir bilden ja keine Gutmenschen aus, sondern Menschen, die für ihr Unternehmen Profit machen können", sagt der Betriebswirtschafts-Professor. Dies mit Rücksicht auf die Umwelt zu tun, dabei die Rechte der Angestellten und Kunden zu berücksichtigen und bei Investitionen langfristig zu kalkulieren, sei aber inzwischen Standardwert in der deutschen Wirtschaft.

"Ich sehe den Eid als Teil der Entwicklung zu einem verantwortungsbewussten Unternehmertums. Er hilft, sie weiter voranzutreiben", sagt Jahns. "Hat jemand einen Eid geschworen und tritt ihn dann mit Füßen, setzt er sich sozialem Druck anderer Manager aus."

Experte zweifelt an sozialer Kontrolle

An dieser sozialen Kontrolle zweifelt Hartmut Kliemt, Philosophie-Professor an der Frankfurt School of Finance and Management. "Der Eid wird kaum eine Wirkung entfalten, wenn er nur an Business Schools erbracht wird und sich die Absolventen danach in alle Winde verstreuen." Nur wenn das Wissen um den gemeinsamen Eid etwa in einer Firma weiter präsent bleibe, sei eine Wirkung möglich.

Auch den oft verwendeten Vergleich zum hippokratischen Eid der Ärzte findet er schwierig. Ärzte seien durch den Eid insbesondere zur Parteilichkeit für den Patienten verpflichtet. "Übertragen auf die Manager wäre das eine Parteilichkeit für den Eigentümer", sagt Kliemt. Und das sei sicher nicht das, was sich die Verfechter von mehr Berufsethik wünschten.

Beim Austausch über die Inhalte des Eids und die soziale Kontrolle seiner Einhaltung setzt EBS-Präsident Jahns auf die Netzwerke der Absolventen. "Sie sind über Facebook, Xing und Co. auch nach dem Studium vernetzt", sagt er. "Das hält den Eid wach." Er wirbt weiter überall in Europa für das Projekt. "Die Norm des ehrbaren Kaufmanns ist Jahrhunderte alt und funktionierte durch soziale Kontrolle untereinander. Dahin müssen wir wieder zurück." Einen Weg dorthin soll der Eid sein, für den jeder Unternehmer schon heute den "ich-gelobe"-Button auf der Webseite des Global Business Oath klicken kann.

epd