Sarrazin mit Personenschutz in der Öffentlichkeit

Sarrazin mit Personenschutz in der Öffentlichkeit
Die Bundesbank will ihn rauswerfen, die SPD ihr Mitglied so schnell wie möglich loswerden. Der umstrittene Politiker, Banker und Autor Thilo Sarrazin steht in der Kritik. In der Öffentlichkeit tritt er mit Leibwächtern auf.

Der wegen seiner muslimkritischen Äußerungen umstrittene Bundesbank-Vorstand Thilo Sarrazin tritt in der Öffentlichkeit mit Personenschutz auf. Bei einem Termin in Berlin wurde Sarrazin am Montag von vier Leibwächtern des Bundeskriminalamtes begleitet. Sarrazin war in der Öffentlichkeit wiederholt angefeindet worden. Vor den Beratungen der Berliner SPD-Spitze über das Partei-Ausschlussverfahren am Montagnachmittag wollte sich Sarrazin nicht mehr zu dem Streitthema äußern

Nach einer Podiumsdiskussion an der Friedrichstraße wurde Sarrazin auf der Straße verbal attackiert. Während er begleitet von den Leibwächtern zu seinem Auto ging, rief ein junger Mann aus einem an der Ampel wartenden Wagen: "Sarrazin, Du Nazischwein." Der SPD-Bundesvorstand will nächste Woche das Ausschlussverfahren gegen Sarrazin offiziell einleiten. Die Bundesbank hat die Abberufung ihres umstrittenen Vorstandsmitglieds beantragt.

Vereinzelter Zwischenapplaus für Sarrazin

Sarrazin verteidigte auf einem Demografie-Kongress am Montag in Berlin, an der auch die frühere Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth (CDU) teilnahm, die Hauptthese seines Buches. Der frühere Berliner Finanzsenator bekräftigte seine Behauptung, dass besonders muslimische Einwanderergruppen oft zu wenig integrationsbereit seien. "70 Prozent der Migranten sind bestens integriert in der zweiten Generation. 30 Prozent haben enorme Probleme und das sind die Migranten aus den muslimischen Ländern." Sarrazin erhielt während der Debatte vereinzelt Zwischenapplaus.

Sarrazin ließ offen, ob er sich bei einem möglichen Ausschluss aus der SPD vom früheren Hamburger Bürgermeister Klaus von Dohnanyi verteidigen lassen will. "Da rede ich erstmal mit Herrn von Dohnanyi", sagte Sarrazin in Berlin. Der SPD-Politiker Dohnanyi hatte ein entsprechendes Angebot in der "Süddeutschen Zeitung" gemacht.

dpa