Eva Herman und die rechten Ufologen

Eva Herman und die rechten Ufologen
Eva Herman macht wieder von sich reden. In einem Blogbeitrag macht sie indirekt die sogenannten Achtundsechziger für die Toten bei der Loveparade in Duisburg verantwortlich. Publiziert hat Herman diese These im Blog des Kopp-Verlags, der auch Bücher von Verschwörungstheoretikern vertreibt und dessen Autoren zum Teil eine inhaltliche Nähe zur rechten Szene aufweisen.

Seit Juni spricht Eva Herman die Nachrichten beim Kopp-Verlag. Die Anmutung ist ganz so wie bei der guten alten "Tagesschau", wo Herman von 1989 bis 2006 tätig war. Sie sitzt an einem Tisch vor blauem Hintergrund in der rechten Bildhälfte, links werden Bilder zu den jeweiligen Themen eingeblendet und sogar die weiße Schrift zu den einzelnen Meldungen erinnert an die "Tagesschau". Nur die Themengewichtung ist eine andere. Am 8. Juli etwa machten die "Kopp-Nachrichten" mit Herman als Sprecherin mit der Meldung auf, dass Israel den Bau jüdischer Siedlungen im Westjordanland wieder vorantreiben wolle. Es folgt eine Meldungen über Massenproteste in Indien und eine Meldung über Gewaltandrohungen gegen Journalisten am Rande des G-20-Gipfels in Toronto (Kanada). Themen ebenfalls: "Sechs Türken erstatten Anzeige gegen Sarrazin" und "Weizenernten weltweit bedroht".

Rechte Verschwörungstheoretiker

Das alles klingt zunächst harmlos, ist jedoch vor dem Hintergrund des Kopp-Verlages zu sehen. Unter den Autoren tummeln sich dort vor allem Verschwörungstheoretiker, einige darunter mit Nähe zu rechtem und esoterischem Gedankengut. Israel mit seinem Geheimdienst Mossad gilt in solchen Kreisen als Aggressor, der nach der Weltherrschaft strebt, die G-20-Gipfel sind eine Art Treffen einer illegitimen Weltregierung, Medien werden hemmungslos manipuliert und der "Weizenrost" wird in Internetforen auch gerne als eine im Labor gezüchtete Krankheit gesehen, die Spekulanten auf die Felder gesprüht haben, um hohe Gewinne zu machen. Die harmlosen Kopp-Nachrichten fügen sich so in das Weltbild ihrer Rezipienten, die ebenfalls aus dem Verschwörungsumfeld stammen und deren krude Vorstellungen von der Welt so manifestiert werden. 

Die Autorenliste des Kopp-Verlags liest sich wie ein Who-is-Who der deutschen Verschwörungsliteratur, vertrieben werden aber auch Bücher von rechten Autoren wie etwa Jan Udo Holey, der auch unter dem Pseudonym Jan van Helsing schreibt. Dessen "Geheimgesellschaften" wurden 1996 vorübergehend wegen "Volksverhetzung" aus dem Verkehr gezogen. Im Kopp-Shop aktuell erhältlich: "Jan van Helsing: Geheimgesellschaften 3". In dem Werk erfährt der Leser laut Verlagsangaben, weshalb die Menschen einen Mikrochip implantiert bekommen, welche Rolle die Tempelritter in der Freimaurerei einnehmen und welche Rolle Deutschland in der neuen Weltordnung spielt. Holeys Bücher sind durchsetzt mit rechtsextremer Esoterik.

Die Nazis und die Ufos

Er beruft sich unter anderem auf Autoren, die ernsthaft die Meinung vertreten, die Nationalsozialisten hätten über in der Arktis stationierte Ufos verfügt. Holey selbst inszeniert sich in seinem autobiografischen Werk "Die Akte Jan van Helsing" als Auserwählten, dem eine "Stimme" gesagt habe, er werde ein Buch über die Illuminaten schreiben. Die Staatsanwaltschaft Mannheim bezeichnete das Resultat als "durchgängig antisemitisch".

Ebenfalls im Angebot des Kopp-Verlages: Andreas von Rétyi. Auf seiner Homepage schreibt er: "Unsere Weltgeschichte ist nicht das Ergebnis von Zufällen, sondern vielmehr von präziser Planung. Vor mehr als einem halben Jahrhundert formierte sich im Geheimen eine machtvolle Gruppe, um die Geschicke dieses Planeten in die Hand zu nehmen und die Welt im Interesse der Superreichen zu lenken. Zahlreiche entscheidende Ereignisse in Politik und Wirtschaft gehen auf subtile Manipulation zurück. Ziel: Globale Kontrolle als totale Kontrolle."

Die Bilderberger

Das klingt so ziemlich wie die angebliche jüdische Weltverschwörung, die die Nationalsozialisten einst für ihre Propaganda nutzten. Im Zentrum von Rétyis Theorien stehen aber die "Bilderberger", die in Verschwörungskreisen ebenfalls äußerst beliebt sind und bei einer Reihe historischer Ereignisse die Finger im Spiel gehabt haben sollen, etwa bei der Ölkrise 1973 oder der deutschen Wiedervereinigung. Zurück geht die Theorie auf die Bilderberg-Konferenzen, bei denen jährlich Eliten aus Wirtschaft, Militär, Politik, Medien, Gewerkschaften, Hochschulen und Adel zusammenkommen und deren Treffen unter strenger Geheimhaltung stehen, was sie natürlich besonders verdächtig machen.

Anhänger der Bilderberger-Theorien ist auch ein weiterer Kopp-Autor: Gerhard Wisnewski. Im Blog des Kopp-Verlags spekuliert er über eine Kanzlerschaft Roland Kochs: "Im Jahr 2005 war Angela Merkel Gast bei der Bilderberger-Konferenz. Kurz darauf wurde sie Kanzlerin. Im Jahr 2009 war Roland Koch bei der Bilderberger-Konferenz – kurz nach der Bundestagswahl 2009 begann eine durchsichtige Inszenierung zur Abwicklung von Angela Merkel und der Koalition. Und raten Sie mal, wer uns nun als Retter verkauft werden soll: Roland Koch."

Der Unfall von Jörg Haider

Wisnewski ist auch Autor eines Buches, indem er davon ausgeht, dass die Terroranschläge vom 11. September 2001 nicht wie in der offiziellen Version behauptet von islamistischen Terroristen verübt wurden. Eine These, die auch von einigen Rechtsextremen vertreten wird, die - anders als Wisnewski! - den 11. September für antisemitische Fantasien missbrauchen und unter anderem den israelischen Geheimdienst Mossad unter den Drahtziehern der Anschläge vermuten. In seinem neuesten Werk widmet sich Wisnewski dem Tod des Rechtspopulisten Jög Haider. Dabei legt der Autor den Verdacht nahe, in Wahrheit steckten Geheimdienste hinter dem tödlichen Unfall. Eine These, die in rechten Kreisen ebenfalls aufgegriffen wurde. Spekuliert wurde dort, Haider habe über Informationen zur Bankenkrise verfügt und habe deshalb sterben müssen. Als Drahtzieher werden auch Kreise aus der "Hochfinanz" vermutet.

Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen. Der ehemalige FAZ-Redakteur Udo Ulfkotte verbreitet in seinen Kopp-Werken seine Thesen über den Islam und anstehende Bürgerkriege in Deutschland und Bruno Bandulet, Herausgeber des rechten "DeutschlandBrief", philosophiert bei Kopp über das Ende des Euro. Erich von Däniken wiederum ist eher upolitisch, schreibt aber bei Kopp angebliche Sachbücher, die Titel tragen wie "Götterdämmerung - Die Rückkehr der Außerirdischen".

Eva mittendrin

Im Umfeld dieses Verlages bewegt sich nun also auch Eva Herman, deren Blogeintrag bei Kopp mit Verschwörungstheorien zumindest eines gemeinsam hat: Eine einfache Antwort auf eine hochkomplexe Frage. In diesem Fall: Wer hat Schuld an dem Unglück von Duisburg? Herman zufolge die sogenannten Achtundsechziger.

Die Moderatorin schreibt: "Die unheilvollen Auswüchse der Jetztzeit sind, bei Licht betrachtet, vor allem das Ergebnis der Achtundsechziger, die die Gesellschaft "befreit" haben von allen Zwängen und Regeln, welche das "Individuum doch nur einengen". Wer sich betrunken und mit Drogen vollgedröhnt die Kleider vom Leib reißt, wer die letzten Anstandsnormen feiernd und tanzend einstürzen lässt, und wer dafür auch noch von den Trägern der Gesellschaft unterstützt wird, der ist nicht weit vom Abgrund entfernt. Die Achtundsechziger haben ganze Arbeit geleistet!"

Keine Rechtsradikale

Man kann Herman nicht rechtsradikales Gedankengut unterstellen. Bei der Debatte um ihre umstrittenen Äußerungen zum Mutterbild im Nationalsozialismus ist ihr Unrecht widerfahren. An keiner Stelle nämlich lobte Herman nationalsozialistische Familienpolitik. Ihr ging es lediglich um Werte, die ihrer Ansicht nach von den Achtundsechzigern "abgeschafft" wurden, weil diese Werte mit dem Nationalsozialismus – unberechtigter Weise – in Verbindung gebracht wurden. Ob Herman, die sich in ihrer Karriere gegen Rechtsradikalismus engagiert hat, aber ausgerechnet im Kopp-Verlag, dessen Werke in der rechten Szene gerne rezipiert werden, gut aufgehoben ist, darf bezweifelt werden.

Ein Gutes hat die Angelegenheit allerdings. Was Herman über Werteverlust und die Loveparade schreibt, wirkt im Umfeld eines Verlages, der sein Geld zu einem Teil mit Büchern über Ufos macht, als das, was es ist: Ziemlicher Humbug, in dem Fakten mit Fiktionen vermischt werden.


Henrik Schmitz ist Redakteur bei evangelisch.de