Christen bekennen sich zur Unversehrtheit des Lebens

Christen bekennen sich zur Unversehrtheit des Lebens
Das Europäische Michaelisfest im niedersächsischen Hildesheim ist mit einem ökumenischen Gottesdienst zu Ende gegangen. Dabei unterzeichneten Kirchenvertreter aus zehn Nationen eine Michaelis-Erklärung.

Sie verpflichteten sich unter Berufung auf den Erzengel Michael als Patron Europas, für die Unversehrtheit des Lebens, die Würde des Menschen, das christliche Erbe Europas, die religiöse Bildung sowie die Freiheit der Religionsausübung einzutreten. Das Fest wurde am Samstag von einem Aufmarsch mit rund 620 Neonazis überschattet. Etwa 3.500 Menschen protestierten friedlich gegen Rechtsextremismus.

Der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland, der evangelische Bischof Friedrich Weber aus Braunschweig, erinnerte in seiner Predigt in der Michaeliskirche an die Schrecken des Nazi-Terrors in der Stadt. Vom Erzengel Michael heiße es, dass er die Menschen vor dem Abfall von Gott bewahrt. "Darauf kommt es an: uns nicht von den irdischen Mächten fesseln lassen, vom Geld, vom Besitz, von der Arroganz der Macht, der Überheblichkeit des Besserwissens, vom Glanz der Stars", sagte Weber.

1.000 Jahre Michaeliskirche

Elf Delegationen aus evangelischen, anglikanischen, römisch-katholischen und orthodoxen Kirchen waren nach Hildesheim gekommen. Außerdem nahmen Vertreter der Michaelsbruderschaft und der Michaeliskirche in Hamburg an der Feier teil. Sie vereinbarten, einmal jährlich am Michaelistag am 29. September einen gemeinsamen ökumenischen Gottesdienst zu feiern.
Das dreitägige Michaelisfest war der Höhepunkt der Feiern zum 1.000-jährigen Bestehen der Michaeliskirche, die zum Weltkulturerbe der UNESCO gehört.

"Das Michaelisfest ist ein gemeinsames Bekenntnis für ein friedliches Zusammenleben", sagte der evangelische Superintendent des Kirchenkreises Hildesheim-Sarstedt, Helmut Aßmann. Er rief am Samstag bei einer Gegenkundgebung zu dem Neonazi-Aufmarsch "Menschen jedweder aufrechter Gesinnung" auf, sich für eine menschliche, ehrliche und gerechte Zukunft für Deutschland einsetzen. Der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde, Wolf-Georg Eickstedt, sagte: "Hildesheim ist bunt und weiß. Wir zeigen allen, dass wir die Braunen hier nicht brauchen." Viele Gegendemonstranten trugen zum Zeichen ihres Protestes weiße T-Shirts mit der Aufschrift: "Engel gegen Rechts".

Sitzblockade von Nazi-Gegnern

Mit einem Großaufgebot von 2.000 Beamten verhinderte die Polizei gewalttätige Auseinandersetzung zwischen Linksautonomen und Rechtsextremisten. Die Beamten lösten nach eigenen Angaben lediglich eine kleine Sitzblockade von Nazi-Gegnern auf.

Die heute von einer evangelischen Gemeinde genutzte Hildesheimer Michaeliskirche ist eine der bedeutendsten romanischen Kirchenbauten nördlich der Alpen. Sie ist nach dem biblischen Erzengel Michael benannt und gehört wegen ihrer besonderen Architektur und ihres wertvollen Deckengemäldes seit 1985 zum Weltkulturerbe. Sie wurde 1010 als Grabeskirche Bischof Bernwards von Hildesheim (um 960-1022) gegründet. Der Name Michael stammt aus dem Hebräischen und bedeutet "Wer ist wie Gott?"

Internet: www.europafest.michaelis2010.de, www.buendnis-gegen-rechts-hildesheim.de

epd