Erste "Bad Bank": Ein Jungunternehmen mit Plänen

Erste "Bad Bank": Ein Jungunternehmen mit Plänen
Die WestLB hat die erste "Bad Bank" Deutschlands, ein eigenständiges Institut, in das riskante und belastete Papiere abgeschoben werden. Die soll die Papiere, Kredite und Anleihen dann verwerten. Die Jobs sind beliebt, aber Boni gibt's bei der Ersten Abwicklungsanstalt keine.

Ein kleiner Klebestreifen auf dem Briefkasten ist bislang der einzige Hinweis: In Düsseldorf hat die erste "Bad Bank" Deutschlands ihre Arbeit aufgenommen. Genauer gesagt: die Erste Abwicklungsanstalt, wie der korrekte Namen lautet. Der Edelstahl- Briefkasten wurde in den vergangenen Wochen gut gefüllt. Ende April lagerte die WestLB risikoreiche nicht mehr zum Kerngeschäft zählende Papiere im Volumen von 71 Milliarden Euro in die "Bad Bank" aus. Zuvor wurde im Dezember bereits ein erstes kleinen Paket im Volumen von gut 6 Milliarden Euro übergeben. Der riesige Bestand an Krediten, Anleihen und Verbriefungen soll zwar zügig, aber auch bestmöglich verwertet werden. Innerhalb von vier Jahren soll die Bilanzsumme der Abwicklungsanstalt ausgehend von 52 Milliarden Euro halbiert werden.

WestLB als "Geburtshelfer" der Abwicklungsanstalt

Das Wort "Bad Bank" mögen die obersten "Bad Banker" allerdings gar nicht. "Der Begriff 'Bad Bank' ist nicht zutreffend, weil wir keine Bank sind und nicht alles bad (schlecht) ist", betont Vorstand Matthias Wargers. Der 43-jährige Banker leitet zusammen mit Markus Bolder (46) die Erste Abwicklungsanstalt, die im Dezember gegründet wurde. Die Belegschaft besteht bisher nur aus rund 20 Mitarbeitern. Insgesamt sollen es 30 bis 50 werden, große Abteilungen sollen aber nicht entstehen. Für die Stellen gibt es bereits viele Interessenten, wie der Vorstand berichtet. Das Jungunternehmen bietet unbefristete Arbeitsverträge, ein Bonussystem gibt es aber nicht.

"Die WestLB ist am Anfang unser natürlicher Geburtshelfer", schildert Wargers. So ist die Abwicklungsanstalt Untermieter in einem WestLB-Gebäude am Düsseldorfer Kirchplatz. Sie kommt auch deshalb mit so wenig Personal aus, weil bei der WestLB ungefähr 70 Mitarbeiter in einer getrennten Einheit Dienstleistungen für die Abwicklungsanstalt erbringen. Zudem nutzt die "Bad Bank" Infrastrukturen der nordrhein- westfälischen Landesbank. Inzwischen ist der Platzbedarf gestiegen, die Abwicklungsanstalt braucht mehr Büroraum. Ob sie ein Untermieter der WestLB bleibt, ist nach Vorstandsangaben vollkommen offen. Bei der Wahl der neuen Räumlichkeiten werde rein betriebswirtschaftlich entschieden. Das heißt, das attraktivste Angebot werde genommen.

Das NRW und seine Sparkassen stehen als Garanten bereit

Könnte die "Bad Bank" jetzt nicht auch für andere Landesbanken interessant sein? Wargers und Bolder fänden es gut, wenn das Modell Abwicklungsanstalt Karriere machen würde. "Wir haben kein Copyright darauf", betont Bolder. Die WestLB ist auf diese Weise einen riesigen Brocken losgeworden, der ihre Bilanz nicht mehr belastet. Bereinigt um risikoreiche Papiere und kundenfernes Geschäft kann die nordrhein-westfälische Landesbank besser um einen Partner werben. Aber andere Landesbanken wollen bislang keine eigene "Bad Bank" errichten. Und die in Düsseldorf, die die bundesweit erste ist, dürfte nicht für andere offen stehen. Denn die Risiken im Bestand der Ersten Abwicklungsanstalt haben allein das Land Nordrhein-Westfalens und die NRW-Sparkassen mit milliardenschweren Garantien abgesichert.

dpa