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Unbequeme Denkmäler und Gedenkstätten

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Unbequeme Denkmäler und Gedenkstätten
Kriegsdenkmäler in Kirchen
17.11.2019
evangelisch.de
Evangelische Kirche St. Martin in Hornow

Foto: Frauke Thielking

Evangelische Kirche St. Martin in Hornow

Foto: Frauke Thielking

Wolfgang und Hanna Burchhardt sind pensionierte Tierärzte. Ehrenamtlich führen die beiden Besucher durch die Dorfkirche in Hornow.

Evangelische Kirche St. Martin in Hornow

Foto: Frauke Thielking

Von innen ist sie schlicht: Die evangelische Kirche St. Martin in Hornow wurde nach Verfall und Sperrung in der DDR-Zeit nach der Wende wieder instand gesetzt.

Evangelische Kirche St. Martin in Hornow

Foto: Frauke Thielking

Hier findet sich auch die Gedenktafel für Karl Klinke. Der Soldat, der aus dieser Gegend stammte und in Hornow getauft wurde, starb 1864 im Deutsch-Dänischen Krieg bei der Schlacht auf den Düppeler Schanzen. Unter anderem durch Theodor Fontanes Gedicht "Der Tag von Düppel" wurde er in Deutschland zum Kriegshelden stilisiert. "Ein braver Soldat / Treu bis in den Tod / Gott und seinem König", steht auf der Tafel. Fontane selbst hat das in einem späteren Buch wieder infrage gestellt.

Evangelische Kirche St. Martin in Hornow

Foto: Frauke Thielking

Über einem Fenster in der Hornower Kirche findet man einen Bibelvers aus dem Johannesevangelium: "Niemand hat größere Liebe denn die, dass er sein Leben lässt für seine Freunde." Wie in vielen anderen Kirchen wurde hier der Soldatentod in die Nähe des christlichen Opfertodes gerückt.

Evangelische Kirche St. Martin in Hornow

Foto: Frauke Thielking

An einer Wand zwischen zwei Fenstern prangt der heilige Georg, als überlebensgroßer Ritter, der dem Drachen sein Schwert in den Rachen bohrt. "Man muss das aus der Zeit heraus sehen", sagt Kirchenführerin Hanna Burchhardt. Und mit Blick auf die toten Soldaten: "Dass das keine Helden waren, sondern arme Jungs, das weiß doch jeder hier."

Evangelische Kirche St. Martin in Hornow

Foto: Frauke Thielking

Im April 1945 bargen die Hornower nach tagelangen Kämpfen zwischen Russen und Deutschen fast 80 Leichen und begruben sie auf ihrem Kirchhof. Burchhardts, die erst später in die Gegend kamen, kennen viele Erzählungen: "Das muss die Hölle gewesen sein." Bis heute melden sich immer wieder Menschen von weither, um zu fragen, ob ihr Onkel oder Bruder auf dem Gräberfeld liegt. Manchmal schreibt auch jemand aus dem Ausland, der Hornower Vorfahren hat, und bittet um die Fotografie eines speziellen Namens in der Kirchenvorhalle.

Evangelische Kirche St. Martin in Hornow

Foto: Frauke Thielking

Die Hornower Kirche steht auf einem parkähnlichen Grundstück. An das mittelalterliche Kirchenschiff aus hellem Feldstein schließt ein kompakter Turm an. Seine Oberfläche aus Ziegel, Feldsteinplatten und weißen Putzflächen sieht wie gefleckt aus. Einen Pfarrer gibt es hier nicht mehr. Aber immer wieder Besucher, die nach Namen suchen.

Evangelische Kirche St. Martin in Hornow

Foto: Frauke Thielking

Die finden Sie auch auf alten Grabmalen. Vor allem aber in der sogenannten "Heldenhalle". "Es ist gut, dass die Namen hier stehen", sagt Kirchenführerin Hanna Burchhardt, "sie sind Teil unserer Gemeinde. Und ihre Geschichte ist es eben auch."

Evangelische Christkirche in Rendsburg

Foto: Kaja Grope

Pfarrer Stefan Holtmann kam 2009 an die Christkirche in Rendsburg. Der 37-Jährige hat sich viel mit Gefallenendenkmälern beschäftigt, denn seine Kirche ist voll davon.

Evangelische Christkirche in Rendsburg

Foto: Kaja Grope

Pfarrer Holtmann findet die weite, lichte Halle mit den fünf prächtigen Messing-Kronleuchtern und den Namenstafeln wunderschön. Aber er meint auch: "Die Botschaft ragt in den Raum hinein. Man kann das nicht einfach ausblenden."

Evangelische Christkirche in Rendsburg

Foto: Kaja Grope

Die Rendsburger Christkirche wurde Ende des 17. Jahrhunderts als Garnisonkirche errichtet und war bis 2009 – als die letzte Kaserne schloss – durchgehend Kirche für die hier stationierten Soldaten.

Evangelische Christkirche in Rendsburg

Foto: Kaja Grope

An der Wand reiht sich eine Gedenktafel an die nächste: Schleswig-Holsteinische Erhebung, Deutsch-Französischer Krieg, Boxeraufstand in China, Herero-Aufstand in Afrika . . .

Evangelische Christkirche in Rendsburg

Foto: Kaja Grope

Am Denkmal für die Toten des Ersten Weltkriegs finden sich auf vier schwarzen Tafeln lange Reihen dicht gedrängter Namen in kleinen goldenen Buchstaben. Von weitem verschwimmen sie zu einer großen goldenen Fläche. "Der Einzelne wurde nicht als wichtig angesehen", sagt Pfarrer Stefan Holtmann.

Evangelische Christkirche in Rendsburg

Foto: Kaja Grope

"Ich sehe hier zu viel Ehre für Gefallene in sinnlosen Kriegen", hat jemand in das Gästebuch im Eingangsbereich der Kirche geschrieben. Kriegerdenkmäler – in und außerhalb von Kirchen – sind "unbequeme Denkmäler". Manche evangelische Gemeinden haben ihre Denkmäler entfernt, umgestaltet oder durch Erklärungstafeln kommentiert. In der Rendsburger Christkirche hat man sich entschieden, die Tafeln so zu belassen, wie sie sind. Und sich mit ihnen auseinanderzusetzen, auf immer wieder neue Art und Weise, zum Beispiel mit Kunstaktionen. Die Kirche ist der richtige Raum für solche Widersprüche, meint Pfarrer Holtmann. "Ich denke, die Kirche selbst gibt dem Ganzen ihr eigenes, viel größeres Vorwort."

Gut hundert Jahre nach dem Ende des Ersten Weltkrieges erinnern noch in vielen Kirchen Ehrenmäler und Gedenktafeln an die Gefallenen – Zeichen einer Vergangenheit, mit der sich die Gemeinden auseinandersetzen müssen. Zwei ganz unterschiedliche Beispiele in Hornow und Rendsburg.

Dieser Beitrag wurde zum ersten Mal im August 2014 veröffentlicht.