Tod und Trauer

Es braucht Zeit, sich daran zu gewöhnen, es braucht andere Menschen, mit denen man zusammen traurig sein kann. Es braucht eine Bestattung, ein Ritual, in dem wir uns verabschieden können und in dem wir unsere Toten nun Gott anvertrauen. Wir haben Informationen bereitgestellt, die helfen können, die Zeit rund um die Beerdigung und die Trauer zu bestehen.

Lieber Herr Bezold,

in den letzten Tagen habe ich zunehmend Angst vor dem Tod bzw. sehe die Darstellung des christlichen Gottes durch viele Menschen als beängstigend. Viele reden davon, dass Christen in den Himmel kommen und die anderen sterben müssen (oder sogar in die Hölle kommen, da sie sich ja nicht für Gott entschieden haben), andere sagen, dass über alle geurteilt wird (und wenn man gut genug war, lebt man weiter), nur wenige glauben an Allversöhnung (dass Gott am Ende allen vergibt - eine für mich tolle Vorstellung, aber gibt's dafür Belege in der Bibel? Befürchte, dass das nur Wunschdenken ist). Je mehr ich mich informiere, desto verwirrter und hilfloser bin ich, insbesondere, da ich viele Menschen in meiner Umgebung habe, die ich sehr liebe und die aber nicht glauben (überzeugte Atheisten z.B.). Ich wünsche mir so sehr, mit diesen geliebten Menschen in der Ewigkeit in Gottes Frieden vereint sein zu können, und eine Zeit lang gelang es mir auch, darauf und auf Gottes grenzenlose Liebe zu vertrauen. Jetzt, da ich insbesondere online immer wieder lese, dass Ungläubigen der Himmel verwehrt wird bzw. dass eh alles für alle ungewiss ist, habe ich einfach nur Angst, in erster Linie um meine Lieben, die ich nicht verlieren möchte, und auch ein klein wenig um mich. Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie mir antworten.

Liebe Grüße Svenja
Lieber Herr Muchlinsky,

mich beschäftigt grade sehr die Frage, ob meine Gebete für meine verstorbenen Eltern ihnen noch helfen können.
Beide lehnten den Glauben an Gott ab; von meinem Vater erzählt man sich noch heute, er sei nur insgesamt zwei mal in einer Kirche gewesen: Bei seiner Taufe und bei seiner Beerdigung. Tatsächlich ist er damals nicht einmal zu meiner Konfirmation in die Kirche gekommen...
Meine Mutter neigte zu Gewaltausbrüchen gegen mich und lies mich in einen Maß verwahrlosen, dass ich mit sechs Jahren fast starb und lange im Krankenhaus liegen musste. Mein Vater griff nicht in ihre "Erziehung" ein.
Trotzdem glaube ich, dass meine Eltern keine wirklich "bösen" Menschen waren, eher überfordert und als Kinder selber vom Krieg traumatisiert und mit ihrem Erlebten ein Leben lang allein gelassen.

Leider war ich zu Lebzeiten meiner Eltern nicht in der Lage ihnen zu vergeben; zu schwer war mir, was sie mir in mein Leben mitgaben. Ich bin mir sicher, dass es Jesus war, der mir dabei half, Verständnis für meine Mutter und meinen Vater zu finden und ihnen zu vergeben. Somit konnte ich auch einen Großteil der Bitterkeit meines Lebens verlieren. Gern stelle ich mir vor, dass wir uns im Himmel wiedersehen, wo auch ihre Seelen von allem Schmerz geheilt sind und wir endlich einander liebend begegnen können. Ich bin von dem Gedanken ausgegangen, wenn ich als winziges, unbedeutendes Menschlein vergeben kann, um wie viel mehr kann es dann Gott?
Jedoch hat mich eine Frau in der Gemeinde darauf aufmerksam gemacht, dass das so nicht funktioniere. Wenn selbst Menschen, die zu Jesus sagen: Herr!, Herr!" nicht mit Sicherheit ins Himmelreich kämen , dann wohl erst recht keiner, der Jesus nicht zu Lebzeiten angenommen habe. Und im Gleichnis vom armen Lazarus und dem reichen Kerl stehe ja auch, dass da nach dem Tod eine unüberbrückbare Kluft sei zwischen Himmel und Unterwelt, so dass meine Gebete für meine Eltern diese jetzt auch nicht mehr retten würden.
Im Moment liege ich gefühlsmäßig zwischen Tränen und Trotz. Einerseits klingt es richtig und biblisch belegt, was die Frau mir da gesagt hat, anderseits hat doch Jesus zugesichert: Bittet, so wird euch gegeben. Und ich möchte die Seelen meiner Eltern geheilt und gerettet wissen...


Können Sie mir wohl ein wenig mehr Licht in die Sache bringen? Ich bin grade einfach nur traurig und verwirrt.Herzlichen Dank im Voraus und liebe Grüße,
Sandra M.