Powernap statt Kaffeepause: Comeback der Mittagsruh

Frau schläft auf Sofa  vor dem Laptop
Geetty-Images/iStockphoto/Tarek El Sombati
Ein biologisches Schlüsselereignis gegen 14 Uhr: Die Körpertemperatur, der Blutdruck fällt, das Gehirn drosselt seine Aktivität - ein kurzes Schläfchen kann erfrischen.
Wundersame Wirkung des Nickerchen
Powernap statt Kaffeepause: Comeback der Mittagsruh
"In der Ruhe liegt die Kraft": Während Schüler in Japan mittags kurz dösen und im Silicon Valley Nap-Pods in Büros boomen, bekämpfen viele Deutsche das Mittagsloch mit Kaffee. Schlaf gilt als Schwäche, obwohl die Forschung längst anderes zeigt.

Es ist die unspektakulärste Stunde des Tages - und doch ein biologisches Schlüsselereignis. Gegen 14 Uhr sinkt die Körpertemperatur, der Blutdruck fällt, das Gehirn drosselt seine Aktivität. Mediziner sprechen vom zirkadianen Tief. "Diese Phase ist in uns angelegt, egal ob wir Landwirt, Schüler oder Manager sind", sagt Andrei Mereuță, Leiter des Schlaflabors am Klinikum Stuttgart. "Wer in dieser Zeit kurz ruht, arbeitet danach klarer, konzentrierter und macht weniger Fehler."

Was wie Luxus klingt, ist schlichte Effizienz. Schon eine NASA-Studie von 1995 zeigte: Militärpiloten, die vor Flügen nur 26 Minuten schliefen, steigerten ihre Reaktionszeit um 34 Prozent und ihre Wachsamkeit sogar um 54 Prozent. Was fürs Cockpit gilt, hilft auch im Büro.

Die Idee der Mittagsruhe ist so alt wie die Uhr. Schon Ägypter ruhten unter Palmen, Römer nannten sie sexta hora und machten sie zum festen Teil des Tages. Klöster des Mittelalters übernahmen sie als spirituelle Pflicht. In Spanien hält die Siesta bis heute ganze Orte für zwei Stunden im Dornröschenschlaf. In Japan wiederum gilt das "Inemuri" - das "Schlafen im Sitzen" - als Zeichen von Hingabe.

Alt wie die Sonne

Während Südeuropa am Nachmittag pausiert, arbeitet Deutschland durch. Dabei, so Mereuță, "liegt die Stärke genau in der kurzen Auszeit. Ein echter Powernap dauert zwischen 10 und 20 Minuten. Danach nehmen Kreativität und Leistungsfähigkeit messbar zu". Wer länger ruht, fällt in Tiefschlaf und wacht benommen auf - zu kurz für Erholung, zu lang für Effizienz.

Auch die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin hat das Prinzip geprüft. Eine Metaanalyse von 160 Studien zeigt: Pausen steigern Produktivität, Wohlbefinden und Konzentration, mindern Fehler und körperliche Beschwerden. "Das Gehirn arbeitet in Rhythmen von etwa 90 Minuten", erklärt Mereuță. "Danach braucht es einen Moment, um sich zu regenerieren. Der Powernap ist dafür die effektivste Methode überhaupt."

Neue Kultur der Pause

In Großbritannien testet die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC Nap-Räume, Start-ups setzen auf Schlafkabinen. In China ist der Nap an Schulen verbreitet. In Deutschland hingegen kommt die Mittagspause im Arbeitsalltag vieler Beschäftigter zu kurz. Laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey im Auftrag der Edenred-Gruppe von 2025 nimmt sich fast die Hälfte (46 Prozent) der Arbeitnehmer in Deutschland nicht genug Zeit für die Mittagspause. Immerhin: Laut einer repräsentativen Studie der Pronova BKK (2024) machen rund 39 Prozent der Berufstätigen im Homeoffice einen Powernap.

Doch gerade hier liegt die Chance: Kurze Schlafpausen schützen laut Studien das Herz-Kreislauf-System, senken Stresshormone und fördern die Stimmung. Unternehmen, die echte Pausen ermöglichen, profitieren doppelt - gesundheitlich und ökonomisch.