Wenn Kirchengemeinden Gebäude aus finanziellen Gründen abgeben müssen, könnte eine Übernahme durch Diakonie-Einrichtungen oft eine gute Lösung für beide Seiten sein, sagt das Vorstandsmitglied des Verbandes diakonischer Dienstgeber in Deutschland (VdDD), Gundula Grießmann dem Evangelischen Pressedienst (epd).
Gemeindehäuser oder Kirchen wären weiterhin kirchliche Standorte, die eine Mischnutzung aus gemeindlicher und sozialdiakonischer Arbeit ermöglichten, erklärt die Personalvorständin und Oberin des Evangelischen Diakonissenhauses Berlin Teltow Lehnin. Um die Chancen und Grenzen der Nutzung kirchlicher Immobilien für diakonische Arbeit auszuloten, wird der Verband diakonischer Dienstgeber am Donnerstag in Essen während einer Tagung beraten.
Mitveranstalter ist die Evangelische Arbeitsstelle für missionarische Kirchenentwicklung und diakonische Profilbildung (midi). Bei der Tagung unter dem Motto "In gute Hände abzugeben" werden Zukunftsszenarien und Beispiele aus der Praxis vorgestellt.
Gebäude bleiben "innerhalb der Familie"
Nach Ansicht Grießmanns hätte ein Übergang kirchlicher Gebäude an die Diakonie für Gemeinden den Vorteil, dass diese "innerhalb der Familie" bleiben. Das sei etwas ganz anderes, als die Häuser "an den nächsten Immobilienverwalter" zu verkaufen. Die Diakonie könne ihrerseits von der Kirche gute Immobilien erwerben, die man auf dem freien Markt nicht ohne weiteres bekomme, betont die Betriebswirtin und Theologin. "Unsere Arbeit wächst, wir brauchen Immobilien."
Als Beispiele für eine neue Nutzung nennt die Diakonie-Vorständin die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum für ihre Klienten, aber auch Mitarbeitende und Auszubildende. Kirchliche Liegenschaften könnten zu Altenheimen werden oder für Wohngruppen für Menschen mit Behinderungen genutzt werden. Auch die Einrichtung von Beratungsstellen, Pflegestützpunkten oder Stadtteilzentren für Quartiersarbeit sei möglich, erläutert Grießmann. In der Regel müssten Gemeindehäuser oder Kirchen mit ihren oft großen Flächen in kleinere Einheiten umgebaut werden.
Zusammenrücken von Diakonie und Gemeinden
Beim Fachtag in Essen spricht Grießmann über mögliche "Fallstricke" für gemeinsame Projekte von Kirche und Diakonie. Zum Beispiel wollten Kirchengemeinden oft die Gebäude zu marktgerechten Konditionen verwerten. Es sei jedoch insbesondere bei Immobilien in besseren Lagen für diakonische Unternehmen schwierig, die Gebäude über eine soziale Nutzung zu finanzieren, betont die Betriebswirtin.
Generell habe sie den Eindruck, dass Diakonie und Gemeinden auch in Fragen der Gebäudenutzung stärker zusammenrücken, sagt Grießmann. Beide Seiten täten gut daran, "auf diesem Weg weiter voranzugehen". Man dürfe aber nicht davon ausgehen, dass diese Kooperation eine umfassende Lösung für die Zukunft nicht mehr finanzierbarer Kirchen-Immobilien bringe. Die soziale Nachnutzung durch die Diakonie sei nicht die einzige Möglichkeit.


