Greenpeace-Studie: Braunkohletagebau heizt Hambacher Wald auf

Greenpeace-Studie: Braunkohletagebau heizt Hambacher Wald auf

Der an den Hambacher Wald heranrückende RWE-Braunkohletagebau heizt einer Studie zufolge die Landschaft auf und trocknet den bereits dürregestressten Wald aus. In der von Greenpeace am Mittwoch veröffentlichte Studie "Hambacher Forst in der Krise" verweisen die Autoren um den Biologen und Waldforscher Pierre Ibisch von der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde auf extreme Temperaturunterschiede zwischen Tagebau und Hambacher Wald von durchschnittlich bis zu 19 Grad Celsius im Sommer.

Ibisch und Jeanette Blumröder sowie Steffen Kriewald vom Potsdam Institut für Klimafolgenforschung fordern zum Schutz und Erhalt des Waldgebietes einen sofortigen Stopp des Abbaggerns. Angrenzende Flächen und ehemalige Straßenschneisen müssten rekultiviert und wiederbewaldet werden.

Mit Hilfe satellitengestützter Auswertungsverfahren werde deutlich, dass der Tagebau Hambach insbesondere in den Sommermonaten der jüngst besonders warmen Jahre mit durchschnittlichen Oberflächentemperaturen von über 45 Grad Celsius der Hitzepol der Region ist, erläuterten die Wissenschaftler. Die Thermik über dem sich aufheizenden Tagebau verstärke im Hambacher Wald die Trockenheit der vergangenen beiden Jahre.

"Der Tagebau wirkt auf den Wald wie eine gigantische Abzugshaube", sagte Ibisch. Die aufsteigende erhitzte Luft sauge Feuchtigkeit aus dem Wald und der gesamten Umgebung. Diese mikroklimatischen Randeffekte durch den Tagebau seien ein bislang unterschätztes Problem. "Der Hambacher Wald ist gefährdet", betonte der Forscher.

Greenpeace appellierte an den nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Armin Laschet (CDU), die Empfehlungen der Wissenschaftler ernst zu nehmen und den Braunkohleabbau im Tagebau Hambach durch den Energiekonzern RWE zu stoppen. "Seit dem Beschluss des Kompromisses zum Kohleausstieg im Januar haben sich RWEs Bagger immer weiter an den Hambacher Wald herangegraben, teilweise bis auf rund 50 Meter", kritisierte Bastian Neuwirth von der Umweltschutzorganisation. "Mit jedem Meter, den sich die Bagger näher an den Hambacher Wald herangraben, gefährdet RWE den Wald und so den mühsam errungenen Kohlekompromiss."

Der Hambacher Forst ist ein Wald im Kreis Düren, von dem nur noch ein kleiner Teil erhalten ist. Ursprünglich erstreckte sich der sogenannte Bürgewald zwischen Köln und Aachen auf mehr als 4.000 Hektar. Die noch erhaltenen rund 200 Hektar Waldfläche liegen im Einzugsbereich der Ortschaften Morschenich und Manheim, die dem Braunkohletagebau weichen müssen. Das Waldstück gilt als Symbol des Widerstands gegen den Kohle-Abbau. Der Tagebau Hambach umfasst ein 85 Quadratkilometer großes Abbaufeld. Bis 2040 plant RWE dort den Abbau von insgesamt 2,4 Milliarden Tonnen Braunkohle.

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