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Nicht alle Geflüchteten können so ausgelassen sein, viele kommen mit persönlichen Problemen in Deutschland an. Die humanitäre Organisation Ipso hilft ihnen mit psychosozialer Beratung.
Psychosoziale Hilfe für Geflüchtete
Wieder nach vorne schauen
chrismon: Mit welchen Fragen kommen die Menschen zu Ihnen?
Vera Mysak: Geflüchtete haben sehr unterschiedliche Fragen. Einige sind praktischer Natur, zum Beispiel: Was muss ich mit diesen Dokumenten machen? Oder: Wie passe ich mich an? Andere fragen mich: Darf ich mit Ihnen auch über etwas sprechen, das nichts mit Krieg zu tun hat? Dann geht es womöglich um Beziehungsprobleme, die schon vorher da waren. Wieder andere haben existenzielle Fragen, etwa: Es sieht so aus, als hätte ich alles verloren. Wo finde ich neuen Sinn?
Was können Sie auf die Sinnfrage antworten?
Mysak: Ich versuche dann, zu verstehen, ob das Gefühl von Sinnlosigkeit vielleicht schon vor dem Krieg da war. Wir müssen herausfinden, was das Problem verursacht hat, dann ist es leichter zu lösen. Ein Arzt aus Mariupol hat im Krieg an der Front Menschenleben gerettet. Seine Frau ist kurz nach der Geburt ihrer Tochter nach Deutschland geflohen. Nach einer Ohrverletzung sollte er aufhören. Doch in Deutschland fühlte er sich nutzlos.
Er meinte: Ich mache hier nichts, während meine Freunde und Brüder kämpfen und sterben. Wir haben gemeinsam nach etwas gesucht, was er hier Sinnvolles tun kann. Er realisierte, dass er jetzt für seine Tochter da sein kann – und er arbeitet wieder in seinem Beruf. Am liebsten möchte er auch in Deutschland ukrainische Soldaten behandeln – um so weiter für seine Heimat nutzbringend zu sein.

