Filmkritik der Woche: "Green Zone"

Filmkritik der Woche: "Green Zone"
In dem Action-Streifen "Green Zone" verschlägt es Matt Damon als Spitzel des CIA in den Irak. Dort findet er zwar keine Massenvernichtungswaffen, sorgt aber dennoch für "westliche Verhältnisse".

Seit den "Bourne"-Filmen ist das Star-Regisseur-Duo Matt Damon und Paul Greengrass ein verlässliches Team für temporeiches Actionkino. Wie durch einen Teilchenbeschleuniger gejagt, werden Einstellungslängen zu Millisekunden atomisiert und eine buchstäblich mitatmende Kamera pulverisiert alle Bilder, die Übersicht schaffen könnten. In seinem neuen Film "Green Zone" schickt der Regisseur, der in Hollywood den Ruf hat, ein subversiver Linker zu sein, seinen Helden Matt Damon als Armeeoffizier in den Irak. Er soll den Grund für Amerikas Kriegserklärung verifizieren, also die Massenvernichtungswaffen finden, die Bush einst Anlass zur Mobilisierung und zum Einmarsch boten.

Officer Roy Miller sucht in zerschossenen Industrieanlagen - und findet nichts. Weil er mit seinem Auftrag unterfordert ist, lässt sich Miller von einem CIA-Agenten anwerben, ins wahrhafte Reich des Bösen, das heißt: des Saddam-Gefolges, vorzustoßen. Am Ende muss Miller nur selbst noch begreifen, dass sein Land völkerrechtswidrig in ein anderes eingefallen ist. Eine Erkenntnis, die kurz erschüttert, dann aber einen erstaunlichen Pragmatismus in Gang setzt. Nach dem Motto: Wenn man schon mal da ist, kann man wenigstens in dem ganzen Chaos aufräumen und für westliche Verhältnisse sorgen.

Hauch von Zynismus

Nur einmal leistet sich der Film einen Hauch von Zynismus, in dem jedoch mehr Wahrheit zu stecken scheint, als Officer Roy Miller verkraftet. Da wünscht der Rambo einer Spezialeinheit dem naiven Miller "noch einen schönen Krieg!" und knöpft ihm, ohne die Spiegelbrille vom Gesicht zu nehmen, brachial einen Gefangenen ab. Ganz so, als müsse Miller, das beleidigte Milchgesicht, dringend lernen, dass es keinen sauberen und gerechten Krieg gibt und die Verteilungskämpfe um die Beute hinter der Frontlinie richtig losgehen.

Millers Anliegen ist unverkennbar das des guten Amerikaners, der zu allem bereit ist, wenn es denn für ein System, eine Sache, ein Ideal ist, für das es sich auch zu kämpfen lohnt. Doch "Green Zone" schickt seinen Protagonisten nicht zur Reifung durch eine Erkenntnishölle, sondern lässt einen verwirrten Helden zurück, den die Irritation seines soldatischen Ethos nicht daran hindert, in den Aktionismus eines Retters zu verfallen. Wenn sein Einsatz auch jeder Grundlage entbehrt und mit ihm die gesamte aufgepeitschte Öffentlichkeit belogen wurde.

Optisches Sperrfeuer

Millers Welt hebt das nicht grundlegend aus den Angeln. Das optische Sperrfeuer, die von Kamerabewegungen zerrissenen Fassaden, der hyperventilierende Schnitt, all das macht nur halb so viel Sinn, wenn der Held zwar nicht mit seinem Präsidenten, aber mit sich selbst im Reinen ist. Er scheint auch bis zum Schluss nicht viel vom Wesen des Krieges zu begreifen, aber immerhin alles über die Lüge als Massenvernichtungswaffe.

USA/UK/F/Spanien 2009. Regie: Paul Greengrass. Buch: Brian Helgeland (nach einer Vorlage von Rajiv Chandrasekaran). Mit: Matt Damon, Jason Isaacs, Greg Kinnear, Brendan Gleeson, Amy Ryan. 115 Minuten. FSK: ab 16 ff.

epd

 

 

Themen