Paris: Geschlossen wegen toter Stadt

Paris: Geschlossen wegen toter Stadt
Panik in Paris: Wird die französische Hauptstadt zur Museumsstadt, in der sich Touristen nach dem Abendessen nur noch im Hotelzimmer aufhalten können? Fahren immer mehr Pariser nach Berlin, London, Barcelona oder Amsterdam, wenn sie sich mal so richtig die Nacht um die Ohren schlagen wollen?

Das legt zumindest eine kürzlich veröffentlichte Studie nahe, nach der Paris auf den fünften von fünf Plätzen kommt. Hinzu kommt, dass die legendäre Disco "Loco" bei Pigalle demnächst schließen soll - was zu einem wahren Aufstand der Pariser Nachtschwärmer geführt hat.

"Geschlossen wegen toter Stadt. Bitte wenden Sie sich an die nächstgelegene Metropole" - so steht es auf dem Logo einer Lobbygruppe, die eine Lockerung der Regeln zur Nachtruhe fordert.

"Die nächtliche Ruheordnung macht aus der Stadt des Lichts die europäische Hauptstadt des Schlummerns", heißt es in einem Appell, der von mehr als 12.000 Menschen unterzeichnet wurde. In den vergangenen Jahren hätten zahlreiche Clubs ihre Nachtlizenzen verloren. Immer mehr Musiker wanderten nach London oder Barcelona aus. Die Bar- und Clubbesitzer jammern außerdem über das Rauchverbot, das ihre Kunden auf die Straße treibe, was wiederum Nachbarn verärgere.

Schlechter Nahverkehr beklagt

Nachtschwärmer beklagen, dass der öffentliche Nahverkehr in Paris das Vergnügen erheblich einschränke. Unter der Woche fährt die Metro nur bis etwa 1 Uhr, am Wochenende bis etwa 2 Uhr. Das Netz der Nachtbusse ist eher grobmaschig, und die Vélib-Leihfahrräder bieten sich auch nur für kürzere Strecken an. Paris sei zwar weltweit das bedeutendste Touristenziel, bekomme aber immer mehr den Ruf einer Museumsstadt, in der nach 20 Uhr kaum etwas los sei, resümiert die Studie der Wirtschaftshochschule EGE.

Den Vorwurf will die Stadt nicht auf sich sitzen lassen. Deswegen hat sie nun ein Internetportal vorgestellt, um das Nachtleben der Stadt besser zu vermarkten. "Paris schläft nicht, das Nachtleben ist besser als sein Ruf", betont Jean-Bernard Bros, Tourismusbeauftragter der Stadt. Mehr als 330 Bars und Clubs werden in dem Webauftritt präsentiert, mit Hinweisen aufs Ambiente und die Art des Publikums. "Es ist eine repräsentative Auswahl, die täglich aktualisiert wird", sagt Bros. Sie solle für Pariser und Besucher gleichermaßen nützlich sein.

Improvisierte Katakomben-Partys

Bei der Vorstellung der Website im edlen Pariser Hôtel de Ville (Rathaus) rümpften manche Pariser Journalisten die Nase. Unter den Konzertsälen ist nicht einmal "La Cigale" aufgeführt, das seit dem 19. Jahrhundert besteht, wo schon Mistinguett, Prince und Norah Jones gespielt haben. Bei den Musiksparten fehlt "Latino" - obwohl in Paris die Salsa-Szene höchst lebendig ist.

Ob sie nicht fürchten, dass das Pariser Nachtleben seinen Charme verliert, wenn alles fein säuberlich ins Netz gestellt und mit Etiketten versehen wird? "Nein, es bleibt immer genug zu entdecken übrig", sagen die Organisatoren.

Vielleicht können sie mit Hilfe des Webportals tatsächlich ein paar Gäste mehr in die Mainstream-Clubs locken. Aber das "wahre Nachtleben" der französischen Hauptstadt ist ohnehin viel zu quirlig und anarchistisch, als dass es sich vom Rathaus in Schubladen stecken ließe. Bestes Beispiel sind die improvisierten Katakomben-Partys und im Sommer die Tanz-Abende an der Seine, die sich jeweils kurzfristig per SMS oder beispielsweise Facebook herumsprechen.

dpa