Deutscher Fernsehpreis diesmal ohne Skandal

Deutscher Fernsehpreis diesmal ohne Skandal
Ein Eklat wie im vergangenen Jahr blieb bei der Verleihung des Deutschen Fernsehpreises diesmal aus. Marcel Reich-Ranicki hatte damals den Ehrenpreis der Stifter abgelehnt.

 

Einen Eklat gab es in diesem Jahr nicht. Doch als der Moderator Alfred Biolek bei der Verleihung des Deutschen Fernsehpreises am Samstagabend in Köln den Ehrenpreis der Stifter erhielt, konnte er sich eine kleine Anspielung auf den "verehrten Marcel Reich-Ranicki", der den gleichen Preis im vergangenen Jahr abgelehnt hatte, nicht verkneifen. Er bitte Reich-Ranicki um Verständnis, sagte Biolek: "Ich nehme den Preis an. Ich stehe zu diesem Medium. Ich habe ihm viel zu verdanken."

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Auch Thomas Gottschalk, der als bester Moderator einer Unterhaltungssendung ausgezeichnet wurde, spielte auf den Literaturkritiker und seine Ablehnung des Preises im vergangenen Jahr an. "Dieser Preis ist eine Katastrophe für mich", sagte Gottschalk und imitierte dabei Reich-Ranickis charakteristische Sprechweise. Der ZDF-Moderator hatte die Gala im vergangenen Jahr moderiert, in der der Literaturkritiker den Preis überraschend abgelehnt hatte. Es sei ihm fast ein bisschen peinlich, dass er den jüngeren Kollegen Stefan Raab und Mario Barth, die ebenfalls nominiert waren, den Preis weggeschnappt habe, sagte Gottschalk.

Lob für Moderatoren

Viel Lob erhielten Anke Engelke und Bastian Pastewka, die die Fernsehpreis-Gala am Samstagabend als Volksmusikduo Wolfgang und Anneliese moderierten. In diesen Rollen konnten sie sich den einen oder anderen Seitenhieb auf Affären und Skandale der Fernsehbranche erlauben: "Die Doris Heinze schreibt so schön beim NDR" sangen sie in Anspielung auf die Drehbuchaffäre um die Fernsehspielchefin Doris Heinze, die vom NDR entlassen worden war, weil sie dem eigenen Sender eigene Drehbücher unter Pseudonym verkauft hatte. Auch Silke Zertz, die den Preis für das beste Buch erhielt, spielte darauf an, als sie sagte: "Es gibt mich wirklich."

Einen kleinen Seitenhieb auf die Kritik, die es in vergangenen Jahren an den Entscheidungen der Fernsehpreis-Jury gegeben hatte, erlaubte sich Anke Engelke als "Anneliese": "Der Fernsehpreis hat ein großes Herz, und deswegen sind auch in diesem Jahr wieder ein paar Sendungen nominiert, die nicht so gut sind."

Kleber wirbt für seinen Intendanten

Und der ZDF-Moderator Claus Kleber, der für die Reportage "Die Bombe" ausgezeichnet wurde, nutzte die Preisverleihung, um sich für die Vertragsverlängerung seines Chefredakteurs Nikolaus Brender starkzumachen. Ein Chefredakteur, der über Schablonen hinaus denke, sei Gold wert, sagte Kleber. Die CDU hatte im Frühjahr versucht, ihren Einfluss im Verwaltungsrat des ZDF zu nutzen, um zu verhindern, dass Brender Chefredakteur bleibt. Die Frage, ob Brenders Vertrag verlängert wird, wurde damals auf Herbst vertagt.

Auch der Schauspieler Hendrik Duryn, der in der RTL-Serie "Der Lehrer" die Titelrolle spielt, nutzte die Auszeichnung für eine programmatische Ansage. Weil die Serie bei RTL zwei Jahre lang auf einen Ausstrahlungstermin warten musste, bedankte er sich beim Sender, weil der die Serie nicht nur in Auftrag gegeben und produziert, sondern auch gesendet habe.

epd