Forscher fordert Systemwechsel in europäischer Flüchtlingspolitik

Forscher fordert Systemwechsel in europäischer Flüchtlingspolitik
Angesichts der weltweit zunehmenden Zahl von Flüchtlingen plädiert der Migrationsforscher Olaf Kleist für ein Umdenken in der europäischen Flüchtlingspolitik.
20.06.2014
epd
Christine Xuân Müller

"Wir müssen weg von einem System der Abwehr, hin zu einem System, das die Bedürfnisse der Flüchtlinge berücksichtigt", sagte Kleist dem Evangelischen Pressedienst (epd) zum Weltflüchtlingstag am Freitag. Der Berliner Wissenschaftler forscht aktuell am "Refugee Studies Centre" der Oxford-University in Großbritannien.

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Dem jetzigen System liege die Überlegung zugrunde, "wer Flüchtlinge reinlässt, ist selber schuld", erklärte Kleist. Er kritisierte: "Das ist ein Ansatz, der den Schutz der Menschen und ihre berechtigte Asylsuche von vornherein nicht in den Blick nimmt".

Von Experten würden derzeit zwei mögliche neue Systeme vorgeschlagen, erläuterte der Wissenschaftler. Zum einen werde die Einführung von Quoten diskutiert, die die Zahl der Flüchtlinge pro Land festlegen. Ebenfalls im Gespräch sei ein System, in dem es Flüchtlingen frei steht, in welchem Land sie einen Asylantrag stellen. In dem Fall sei ein finanzieller Ausgleich zwischen den EU-Ländern vorgesehen. Innerhalb Europas dringen unter anderem Italien, Spanien und Griechenland auf einen Systemwechsel. "Ein Land, das diese Notwendigkeit nicht so sieht ist Deutschland", kritisierte der Forscher.

Nach der jüngsten Statistik des UN-Flüchtlingshilfswerks sind derzeit rund 51 Millionen Menschen auf der Flucht. "Die Zahlen zeigen, dass wir mit Vertreibung in einem Maßstab konfrontiert sind, wie wir das seit Jahrzehnten nicht gesehen haben", betonte Kleist. Zugleich lebten aktuell rund 80 Prozent der Flüchtlinge in Ländern des globalen Südens, nach Europa kämen dagegen nur vier Prozent.  Auch in den nächsten Jahren werde die Zahl der Flüchtlinge wahrscheinlich weiter steigen, sagte der Forscher.