Erfurter Uni erforscht Trauerkultur nach Amoklauf von 2002

Erfurt Blumen vor Dom

Foto: epd-bild/Maik Schuck

Gedenkfeier an die Opfer der Bluttat am Gutenberg-Gymnasium auf dem Erfurter Domplatz.

Erfurter Uni erforscht Trauerkultur nach Amoklauf von 2002
Trauer und Gedenken nach Großkatastrophen stehen im Mittelpunkt eines neuen Forschungsprojekts an der Erfurter Universität.
Deutschland spricht 2019

Ausgangspunkt der Untersuchung ist der Amoklauf am Erfurter Gutenberg-Gymnasium vom April 2002, wie die Hochschule am Freitag mitteilte. Das Projekt befasse sich mit der Trauer- und Gedächtniskultur nach Terroranschlägen, Amokläufen, Unfällen oder Naturkatastrophen aus theologischer Perspektive.


Nach Katastrophen stelle sich jedes Mal neu die Frage, wie die Gesellschaft und insbesondere die Angehörigen ihrer Trauer Ausdruck geben können, hieß es. Auch in Deutschland seien mittlerweile zentrale Trauer- und Gedenkfeiern üblich geworden. Neben dem jährlichen Gedenken an die Toten und Verletzten gebe es zudem eigene Orte der Erinnerung. An dieser Trauerkultur sind neben anderen Akteuren auch die Religionsgemeinschaften beteiligt. Solche "Desaster Rituals" seien aber in Deutschland kaum Gegenstand der Forschung geworden, obwohl sie für die Trauer- und Gedächtniskultur große Relevanz besitzen.

Das Forschungsvorhaben unter Leitung des Erfurter Liturgiewissenschaftlers Benedikt Kranemann frage nach Strukturen, Texten und Zeichenhandlungen der Gedenkfeiern nach dem Amoklauf in Erfurt mit 17 Toten. Dabei werde insbesondere die Rolle der Religionsgemeinschaften im öffentlichen Gedenken untersucht. Das Vorhaben wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) mit 145.000 Euro gefördert.