UN besorgt über verschleppte Aufklärung von Völkermord

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UN besorgt über verschleppte Aufklärung von Völkermord
Die Vereinten Nationen haben sich besorgt über die schleppende Aufklärung von Bürgerkriegsverbrechen in Guatemala gezeigt.

Die stellvertretende Hochkommissarin für Menschenrechte, Flavia Pansieri, ermahnte die Behörden bei einem Besuch in dem mittelamerikanischen Land, "nachhaltige Maßnahmen" gegen die Straflosigkeit der Täter zu unternehmen, wie die Zeitung "La Prensa" am Mittwoch (Ortszeit) berichtet.


Die UN-Vertreterin forderte auch mehr Engagement der Regierung im Kampf gegen den Drogenhandel, Korruption und das organisierte Verbrechen. Guatemala gehört inzwischen mit einer Mordrate von 30 auf 100.000 Einwohner zu den gewalttätigsten Ländern des Kontinents.

Besonders besorgt zeigte sich Pansieri über die Verschleppung des Prozesses gegen Guatemalas Ex-Diktator Efraín Ríos Montt. Immer wieder gelang es den Anwälten des inzwischen 87-Jährigen, das Verfahren zu verzögern. Eigentlich sollte der Prozess im März wieder aufgelegt werden, wurde dann aber auf Januar 2015 verschoben.

Die 17-monatige Regierungszeit von Ríos Montt (1982 bis 1983) gilt als die grausamste Periode des Bürgerkrieges in Guatemala (1960-1996). Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, für elf Armeemassaker an den Nachfahren der Maya-Ureinwohner verantwortlich zu sein. Dabei wurden 1.771 Menschen ermordet und rund 29.000 Menschen aus ihrer Heimat vertrieben. Insgesamt wurden während des Bürgerkrieges etwa 200.000 Menschen getötet, 45.000 gelten immer noch als vermisst.

Ríos Montt war Anfang Mai vergangenen Jahres wegen Völkermordes und Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu 80 Jahren Haft verurteilt worden. Doch zehn Tage später wurde das Urteil vom Verfassungsgericht wegen Verfahrensfehlern wieder aufgehoben. Unterstützt wird Ríos Montt durch den amtierenden Präsidenten und früheren General Otto Pérez Molina. Auch er soll an Massakern während des Bürgerkrieges beteiligt gewesen sein.

Erst in der vergangenen Woche hatte der Kongress eine Resolution verabschiedet, in der es heißt, dass es in Guatemala niemals einen Genozid gegeben habe. Viele Menschenrechtsorganisationen werteten dies als neuen Hinweis für den mangelnden Aufklärungswillen der guatemaltekischen Justiz.