Bischof Bedford-Strohm setzt nach Finanzskandal auf bessere Kontrolle

Bischof Bedford-Strohm setzt nach Finanzskandal auf bessere Kontrolle
Der bayerische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm und Finanzminister Markus Söder (CSU) machen sich nach den Millionenverlusten im evangelischen Dekanat München für bessere Kontrollmechanismen stark. "Vor allem Köpfe rollen zu lassen, ist zu einfach", schreibt Bedford-Strohm in der neuen Ausgabe der evangelischen Wochenzeitung für Bayern, "Sonntagsblatt".

Söder sagte in einem epd-Gespräch, ein einfaches "sorry" reiche jetzt nicht. Nun müssten Konsequenzen gezogen werden, fordern beide einstimmig. Dem Dekanat München drohen nach hochriskanten Anleihegeschäften in ökologisch nachhaltige Unternehmen Verluste von bis zu 13 Millionen Euro.

Fehlentwicklungen sollten beispielsweise durch intensivere überörtliche Beratung und effektiveres kirchenaufsichtliches Handeln erkannt werden, schreibt der Bischof. Dabei müsse aber auch die Selbstständigkeit der Gemeinden im Blick bleiben. Außerdem treibe ihn die Frage um, wie "wir auch in Krisensituationen, in denen unsere Glaubwürdigkeit auf dem Spiel steht, als Kirche ausstrahlen, wovon wir sprechen". Die Kirche insgesamt habe einen öffentlichen Imageschaden durch das Finanzdebakel erlitten.

Auch für Söder geht es um eine Glaubwürdigkeit der Kirche: "Wer zu Recht die internationalen Finanzmärkte kritisiert und gleichzeitig selbst dort Akteur ist, muss sich die Frage stellen lassen." Die Synode müsse allgemein über das Finanzsystem in der Landeskirche diskutieren. Er glaube nicht, dass die Kirche als Finanzmakler auftreten und an den Märkten Geld anlegen sollte. "Soweit ich mich erinnere, hatten Jesus und seine Jünger kein Festgeldkonto." Söder ist berufenes Mitglied in der bayerischen evangelischen Landessynode, die sich vom 30. März bis 3. April erstmals trifft.

Bedford-Strohm mahnt zur Besonnenheit

Bedford-Strohm dagegen mahnt zur Besonnenheit. "Es wäre schlimm, wenn wir uns in einer Art Kurzschlussreaktion nun zu einer Misstrauenskultur bewegen würden." Die Vertrauenskultur in der Kirche dürfe durch Kontrollmechanismen nicht verlorengehen. Leichtsinn aber wie im Münchner Fall dürfe sich nicht ausbreiten. "Wer für Orgelrenovierungen, Kirchbauvereine oder soziale Projekte ständig Anstrengungen unternimmt, um Geld zusammenzubekommen, der bekommt Wallungen bei dem Gedanken, was man mit dem verlorenen Geld alles hätte machen können."

Vor dieser Woche gab die Landeskirche bekannt, dass die neuen Anlagerichtlinien für Kirchengemeinden bis April beschlossen sein sollen. Rücklagen müssten demnach "in ständig handel- und liquidierbare Vermögensanlagen investiert werden". Spekulative Ansätze seien ausgeschlossen. Außerdem könnten Dekanate künftig ihre Gelder in Fonds anlegen, die die Finanzabteilung im Landeskirchenamt für diesen Zweck neu einrichten will.

Daneben wurden auch personelle Konsequenzen gezogen. Dem verantwortlichen Finanzchef ist laut Bedford-Strohm bereits gekündigt, die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen ihn wegen des Verdachts auf Untreue. Der Leiter des Kirchengemeindeamts wird nicht in seine Funktion zurückkehren. Außerdem beantragten Stadtdekanin Barbara Kittelberger und Oberkirchenrat Hans-Peter Hübner im Zuge der Affäre ein disziplinarisches Selbstklärungsverfahren gegen sich. Dieses "souveräne Handeln" der beiden habe er mit "großem Respekt" aufgenommen, schreibt Bedford-Strohm.
 

Meldungen

Top Meldung
Predigt schreiben braucht viel Zeit
Einen anderen Umgang mit kirchlichen Ressourcen fordert der evangelische Theologieprofessor Heinzpeter Hempelmann. Der größte Teil der personellen Ressourcen - nämlich die Pfarrer:innen - werde zur Versorgung eines immer kleiner werdenden Teils der Kirchenmitglieder eingesetzt.