Kein Geld, keine Wohnung: Kirche hilft Syrern

Kirchen helfen bei Unterbringung syrischer Flüchtlinge in Bonn

Foto: epd/Dörthe Boxberg

Der 37-jährige Deutsch-Syrer Ahmad Kiwan wollte seine Familie nach Bonn holen, hatte aber kein Geld. Die örtlichen Kirchengemeinden halfen ihm.

Kein Geld, keine Wohnung: Kirche hilft Syrern
Viele in Deutschland lebende Syrer wollen Angehörige zu sich holen, die vor dem Bürgerkrieg fliehen. In NRW und anderen Bundesländern werden sie zwar aufgenommen - aber nur, wenn Verwandte die Lebenshaltungskosten tragen. In Bonn helfen die Kirchen.

Seit Tagen versucht Ahmad Kiwan seine Mutter dazu zu bringen, ihren Koffer auszupacken. Vergeblich. Auf ihrer eineinhalbjährigen Flucht mit der Familie quer durch Syrien nach Jordanien war dieser Koffer alles, was sie hatte. Vor kurzem kam die syrische Familie in einer Wohnung der katholischen Pfarrgemeinde in Bonn-Duisdorf unter. In dem Stadtteil werden in den kommenden Monaten noch mehr Flüchtlinge erwartet. Die Kirchengemeinden beider Konfessionen bereiten sich darauf vor.

Die Hilfsbereitschaft gegenüber den syrischen Flüchtlingen sei bemerkenswert, beobachtet der Sprecher des Evangelischen Kirchenkreises Bonn, Joachim Gerhardt. Einige Gemeinden beschäftigten sich bereits intensiv damit, was sie konkret für die rund 500 Syrer tun können, die in Bonn unterkommen sollen.

Bürger in NRW dürfen die Familie nachholen

Am Stichtag 5. Januar hatten nach Angaben der Bundestagsabgeordneten Ulla Jelpke (Die Linke) die deutschen Auslandsvertretungen 1.006 Visa erteilt, mit denen Syrer nach den Aufnahmeanordnungen der Bundesländer nach Deutschland einreisen dürfen. Die meisten der Flüchtlinge wollen demnach nach Nordrhein-Westfalen (307), nach Niedersachsen (243) und nach Baden-Württemberg (216).

Besonders schnelle Hilfe war im Fall der Familie des Deutsch-Syrers Ahmad Kiwan gefragt, der mit seiner Frau in der katholischen Pfarrgemeinde in Duisdorf im Westen Bonns lebt. Der 37-jährige Wirtschaftsinformatiker, der die deutsche Staatsangehörigkeit besitzt, bangte um das Leben seiner Eltern und der sieben Geschwister. Sie waren mit ihren Familien auf der Flucht, nachdem ihre Häuser zerstört worden waren. Daraufhin wollte Kiwan sie nach Bonn holen, wo er seit über zehn Jahren wohnt.

In 15 Bundesländern (alle außer Bayern) dürfen hier lebende Syrer ihre Familien aufnehmen. Doch für viele Familien scheitert der Plan am Geld. Das Land Nordrhein-Westfalen zum Beispiel übernimmt für diese Flüchtlinge lediglich die medizinische Versorgung sowie die Kosten für Deutschkurse.

Geld und Wohnung von der Kirche

Kiwan und seine Frau hätten für den Unterhalt der 15 Kinder und zwölf Erwachsenen alleine bürgen müssen. Wie er es auch drehte und wendete: Kiwan brachte das Geld nicht zusammen. "Kurz vor Weihnachten war ich soweit, aufzugeben", sagt er.

Dann sprang die Kirche ein: Innerhalb von sechs Wochen organisierte ein schnell gegründeter Arbeitskreis Möbel, Kleidung und Wohnungen. So konnten die Eltern und ein Bruder Kiwans mit seiner Familie eine Wohnung der Pfarrgemeinde beziehen. Eine Wohnungsgesellschaft stellte der Gemeinde drei weitere Wohnungen zur Miete in Aussicht. Nun wolle das "Netzwerk Syrienhilfe "genug Geld zusammenbekommen, um ein Jahr lang für den Unterhalt der Flüchtlinge aufkommen zu können, sagt der Sprecher des Netzwerks, Pastoralreferent Guido Zernack.

Rund 30.000 Euro haben Gemeindemitglieder bereits gesammelt. Allerdings würden rund 100.000 Euro gebraucht, schätzt Zernack. Über eine Fundraising-Aktion sollen nun auch Geschäftsleute und Firmen aus dem Stadtbezirk als Spender gewonnen werden.

Hilfsbereite Menschen sammeln Adressen

Nicht überall stößt die bevorstehende Ankunft syrischer Flüchtlinge auf so viel Hilfsbereitschaft, wie Pfarrerin Dagmar Gruß von der evangelischen Johanniskirchengemeinde Bonn-Duisdorf berichtet. Als die Stadt plante, ein leerstehendes Bürohaus als Übergangswohnheim für syrische Flüchtlinge herzurichten, protestierten viele Anlieger. Die evangelische Gemeinde organisierte Diskussionsveranstaltung, zu der rund 120 Bürger kamen. Viele hätten Hilfe angeboten, sagt Gruß. Es entstand eine Adressenliste mit Menschen, die bereit sind, die Flüchtlinge bei Behördengängen zu unterstützen, Nachhilfe zu geben oder Kleider und Möbel zu organisieren.

Auch in der benachbarten evangelischen Trinitatiskirche in Bonn-Endenich hat sich ein Arbeitskreis gebildet. Die Gemeinde rechnet damit, dass syrische Flüchtlinge in der Nähe der Kirche in einem früheren Seniorenheim untergebracht werden. Derzeit sammeln die Protestanten auch hier Adressen von Menschen, die bereit sind, die Flüchtlinge tatkräftig zu unterstützen.