Pflegeheimbetreiber werben selbst um Fachkräfte im Ausland

Altenpflege

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Pflegeheimbetreiber werben selbst um Fachkräfte im Ausland
Pflegeheimbetreiber machen sich auf die Suche, um im Ausland Fachkräfte anzuwerben. Der Präsident des Bundesverbandes privater Anbieter sozialer Dienste, Bernd Meurer, sagte dem Evangelischen Pressedienst (epd) am Mittwoch in Berlin, der Fachkräftemangel sei eine der größten Herausforderungen. Er sei selbst in Bosnien, Rumänien und Serbien gewesen, um examinierte Pflegekräfte zu finden, die bereit seien, nach Deutschland zu kommen.
Deutschland spricht 2019

Nach Angaben des Bundesverbands fehlen bereits heute bundesweit 30.000 Pflegekräfte. Bis zum Jahr 2020 werden nach Einschätzung des Verbandes 220.000 Pflegerinnen und Pfleger zusätzlich gebraucht. Dieser Bedarf werde nicht allein durch inländische Kräfte abgedeckt werden können, sagte Meurer.

Sein Verband habe Kooperationsverträge etwa mit privaten Krankenpflegeschulen in Rumänien geschlossen, damit diese die deutschen Ausbildungsanforderungen in ihren Lehrplänen berücksichtigen. Zudem würden Sprachkurse zum Deutschlernen gefördert. Meurer wehrte sich gegen den Vorwurf, Deutschland ziehe hoch qualifiziertes Personal aus den Anwerbeländern ab und verschärfe damit die dortige Situation. Viele der Absolventen der Fachschulen in Serbien oder Rumänien fänden in ihren Heimatländern nach dem Examen keine Stelle, sagte er.

Integrationskurs für ausländische Pflegekräfte

Meurer, der selbst drei Pflegeheime in Rheinland-Pfalz und Bayern betreibt, hat inzwischen zwei Rumäninnen und zwei Bosnierinnen eingestellt. Weitere elf rumänische Pflegekräfte absolvieren derzeit den Integrationskurs. Entscheidend sei, dass die Frauen in Deutschland heimisch würden, sagte Meurer: "Das ist für niemanden ein Spaziergang."

Auf deutscher Seite seien die bürokratischen Hürden das größte Problem, sagte der Präsident des Bundesverbandes privater Anbieter sozialer Dienste. Als Beispiel nannte er die Sprachanforderungen, die in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg besonders hoch, in Hessen besonders niedrig und in Bayern wiederum anders geregelt seien. Wer sein Examen vor dem EU-Beitritt seines Heimatlandes gemacht habe, müsse Praktika in Deutschland ableisten, auch wenn er oder sie langjährige Berufserfahrung besitze. "Da fehlt es uns an einer Willkommenskultur und einem einheitlichen Leitfaden für die Anerkennung der Abschlüsse", sagte Meurer.

Bundesregierung wirbt Pflegekräfte im Ausland an

Die Bundesregierung wirbt ihrerseits aktiv in neun Ländern, um Fachkräfte für das Gesundheitswesen und die Pflege nach Deutschland zu holen, darunter Spanien, Portugal, Serbien, Bosnien-Herzegowina und die Philippinen. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linksfraktion hervor, über die "Rheinische Post" (Mittwochausgabe) berichtete.
 

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