Wartenberg-Potter: Streiterin für Ökumene und Menschenrechte

Baerbel Wartenberg-Potter

Foto: ddp images/Bischofskanzlei

Die ehemalige Bischöfin Bärbel Wartenberg-Potter wird heute 70 Jahre alt.

Wartenberg-Potter: Streiterin für Ökumene und Menschenrechte
Streitbare Feministin, Kritikerin einer globalisierten Wirtschaft und Botschafterin der weltweiten Ökumene: Die ehemalige Lübecker Bischöfin Bärbel Wartenberg-Potter wird heute 70 Jahre alt und legt pünktlich zu ihrem Geburtstag ihre Lebenserinnerungen vor. Unter dem Titel "Anfängerin. Zeitgeschichten meines Lebens" wird sie ihr Buch am 26. September in Kiel präsentieren.

Sie habe immer gerne erzählt, schreibt Wartenberg-Potter zu Beginn ihres Buches. Daher möchte sie erzählen, was sie über das Leben herausgefunden hat. Aufgewachsen ist Bärbel Reinhard in einem Dorf in der Pfalz. Nach einem Lehramtsstudium brachte sie in einem Missionsprojekt württembergischen Schülern Themen der Entwicklungspolitik und weltweiten Gerechtigkeit nahe. Erst mit 37 Jahren wurde sie Pastorin.

Entschieden hat sie das Apartheid-Regime in Südafrika bekämpft und zählte zu den Gründungsmitgliedern der deutschen Anti-Apartheid-Bewegung. Über zehn Jahre lang knüpfte sie Verbindungen zur Opposition und reiste so lange nach Südafrika, bis ihr das Visum verweigert wurde. Schon 1974 kämpfte sie für die Freilassung des damals noch weithin unbekannten Nelson Mandela.

Feministische Übersetzung der Bibel unterstützt

Einblick gibt die Autobiografie aber auch in ihre unglückliche Familiengeschichte. Beide Kinder starben bereits als Babys an einem seltenen Immundefekt - Frieder nach sieben Monaten, Micha nach zwei Jahren. "An einem trüben Bächlein sitzend, weinten wir uns die Augen aus dem Kopf." Darüber zerbrach auch ihre erste Ehe.

Von 1980 bis 1985 leitete sie die Frauenabteilung des Weltkirchenrates in Genf. Maßgeblich hat sie später als Bischöfin die feministische Übersetzung "Bibel in gerechter Sprache" unterstützt - und wurde dafür in der Kirche zum Teil heftig kritisiert. Am Ende der Genfer Zeit heiratete sie ihren Chef, Generalsekretär Philip Potter. Anschließend zog das Paar nach Jamaika, wo sie in Kingston lutherische Theologie lehrte.

Gründung der Nordkirche vorangetrieben

Nach Stationen als Gemeindepastorin in Stuttgart und Geschäftsführerin der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen wurde sie 2001 Bischöfin von Lübeck - nach Maria Jepsen (Hamburg) und Margot Käßmann (Hannover) die dritte Bischöfin in Deutschland.

Schon früh knüpfte die Theologin Kontakte zu den Nachbarkirchen Mecklenburg und Pommern. Doch als sie schon 2004 vorschlug, eine gemeinsame Kirche zu gründen, wies ein ostdeutscher Teilnehmer sie barsch zurecht: "Sagen Sie das nie wieder!" Drei Jahre später begannen dann die Gespräche zur Gründung der Nordkirche. Wartenberg-Potter leitete die Steuerungsgruppe, in der alle drei Kirchen trotz unterschiedlicher Größe gleich stark vertreten waren.

Eine streitbare Bischöfin

Als Bischöfin war sie auch Anfeindungen ausgesetzt. Als sie nach den New Yorker Terroranschlägen vom 11. September 2001 zu "nüchterner Feindesliebe" aufrief, fand sich vor ihrem Haus eine Bombenattrappe, wie sie in ihrem Buch verrät. Wartenberg-Potter: "Ich war gewarnt." Tapfer hat sie die Streichung des Lübecker Bischofssitzes verteidigt, obwohl sie selbst dagegen war. Auch Lübeck als Zentrale der Nordkirche konnte sie nicht durchsetzen.

Vor fünf Jahren wurde sie in den Ruhestand verabschiedet. Zu ihrem 70. Geburtstag veranstaltet die Evangelischen Akademie Bad Boll (21. September) theologische Tagungen. Wartenberg-Potter lebt heute mit ihrem 92-jährigen Mann Philip noch im ehemaligen Bischofshaus.