Volkmar Klein: "Die Angst um den Euro muss bleiben"

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Foto: Bernd Brudert, Montage: Linde Köhne

Volkmar Klein: "Die Angst um den Euro muss bleiben"
Daheim in Burbach/Siegerland zahlt MdB Volkmar Klein sein Haus ab, während er in Berlin dabei hilft, die Eurokrise zu bewältigen. Freimütig gibt der Haushaltsexperte zu, dass er dabei nicht jedes Detail kennt. "Die Angst um den Euro muss bleiben", sagt der CDU-Politiker, der eigentlich gar kein ängstlicher Typ ist. Mit großer Zuversicht bringt er daheim als Synodaler den Kirchenkreis Siegen mit voran und setzt sich weltweit für eine sinnvolle Entwicklungshilfe ein - beides nach dem Motto: "Sucht der Stadt Bestes". K. Rüdiger Durth hat den Politiker Volkmar Klein im Café Einstein getroffen.

Die meisten Deutschen haben Angst um den Euro. Angst, dass sie immer mehr für die Schulden anderer Länder aufkommen müssen und eine mögliche Inflation ihre Ersparnisse auffrisst. Kann da noch Volmar Klein ruhig schlafen? "Ich kann nach wie vor gut schlafen", sagt der 52-Jährige, der gern der Einladung zum Kaffee im Cafe Einstein Unter den Linden gefolgt ist. Sein Weg ist auch nicht weit, schließlich ist Volkmar Klein seit 2009 Mitglied der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Und was in diesen Monaten von besonderem Interesse ist: Volkmar Klein ist Mitglied des Hausaltsausschusses. Bevor der in den Deutschen Bundestag gewählt wurde, war er seit 1995 haushalts- und finanzpolitischer Sprecher der CDU im nordrhein-westfälischen Landtag.

Wenn Volkmar Klein in seiner südwestfälischen Heimat von den Menschen angesprochen wird, dann dreht es sich schnell um das Thema Euro. Und das Gespräch mit dem Bürger ist Volkmar Klein sehr wichtig. Nicht nur, weil er als ehemaliger Gemeindebürgermeister den Kontakt zu seinen Wählern nie verloren hat, sondern weil er als evangelischer Christ das prophetische "Suchet der Stadt Bestes" ernst nimmt. Vom CVJM geprägt, ist er heute auch Vorsitzender des Evangelischen Arbeitskreises (EAK) der CDU von Nordrhein-Westfalen. Hat der Bürger Klein Angst um seine Ersparnisse und flüchtet wie viele in Gold? Er lächelt: "Ich bezahle mein Haus ab."

"Gelddruck ist nicht die Lösung"

Die meisten Menschen räumen ein, dass sie den Kampf um den Euro letztlich nicht verstehen. Angesichts der Milliarden, um die es geht, auch kein Wunder. Man hört das Wort Rettungsschirm immer wieder, aber kann letztlich nicht viel damit anfangen. Wirft der Deutsche Bundestag den Südeuropäern nur das sauer verdiente Geld hinterher? All diese besorgten Fragen kennt Volkmar Klein zur Genüge. Versteht er denn noch, um was es letztlich geht, wenn er im Haushaltsausschuss und im Plenum des Deutschen Bundestages die Hand für neue Garantien hebt? Freimütig räumt er ein, dass auch er nicht jedes Detail kennt – zumal er im Haushaltsausschuss Berichterstatter für die wirtschaftliche Zusammenarbeit ist.

Nun hat es Volkmar Klein auch leichter als mancher seiner Kollegen im Parlament. Denn er hat an der Universität Bonn Volkswirtschaft studiert und nach dem Diplom in der freien Wirtschaft gearbeitet. Wichtig für ihn als Politiker ist es, "die unterschiedlichen Szenarien abzuschätzen" und er verhehlt auch das nicht: "Wir blicken in einen tiefen Abgrund." Damit meint er nicht nur die Euro-Krise, sondern auch die enorme Verschuldung im angelsächsischen Raum. Die Amerikaner beispielsweise tun sich aus seiner Sicht leichter mit kurzfristigen Umgestaltungen ihrer Wirtschaft, was den Europäern mit ihren hohen Löhnen und niedrigen Lohnstückkosten so nicht möglich ist. "Wir müssen einen langfristigen Kurs beibehalten", sagt der Abgeordnete Klein, und fügt hinzu: "Gelddruck ist nicht die Lösung."

Selbstverständlich blickt auch Volkmar Klein voller Sorge auf Griechenland. Ob das Land in der Eurozone bleiben soll, ist für ihn freilich "vergossene Milch". Er pflichtet Bundeskanzlerin Angela Merkel voll bei, die im Blick auf die Eurokrise davon gesprochen habe, man lebe in einem Haus mit nicht genehmigungsfähiger Statik. Nun komme es darauf an, die Statik genehmigungsfähig zu machen. Dass dies nicht von heute auf morgen möglich ist, versteht sich für den "Haushälter" Klein von selbst: "Wir alle haben noch viele Hausaufgaben zu erledigen."

"Wenn etwas schief geht, dann haben wir die Krise"

"Die Angst um den Euro muss bleiben", so Klein beim Kaffee, "weil alles brandgefährlich ist." Angst verhindere kurzfristige und falsche Entscheidungen: "Wenn nämlich etwas schief geht in unseren Bemühungen, dann haben wir tatsächlich die Krise." Nicht wenige Menschen im Lande meinen, die Deutschen übten zuviel Solidarität etwa mit Griechenland und würden dafür nur Undankbarkeit seitens der Hellenen ernten. Nicht nur für den Haushaltspolitiker, sondern auch für den Christen Klein gilt: "Wir üben Solidarität." Dass er auch das Risiko für sein eigenes Land und dessen Bürger im Auge behalten muss, versteht sich von selbst. Auch schließt er Kritik an Griechenland nicht aus. Dort habe man in den vergangenen zwei Jahren verhältnismäßig wenig dafür getan, zu sparen und die Wirtschaft anzukurbeln: "Spanien hat mehr geschafft."

Immer hat Volkmar Klein, dessen Sprache seine nassauische Herkunft nicht verleugnet, auch Entwicklungsländer im Blick. Was ist mit dem Getreide, das immer mehr im Tank landet und die Grundnahrungsmittel immer teurer macht? Selbstverständlich sieht er das Problem, lehnt aber jede einseitige Verteufelungen ab. Schließlich werde auch viel Getreide gebraucht, um daraus Alkohol herzustellen: "Und der richtet nach wie vor viel Unheil unter den Menschen an."

Nicht zuletzt in Afrika vermisst Volkmar Klein, der als Berichterstatter des Deutschen Bundestages oft auf dem Schwarzen Kontinent unterwegs ist, "gutes Regierungshandeln", soll heißen, leidenschaftlichen Einsatz der Verantwortlichen für ihr Land. Entwicklungshilfe darf sich aus seiner Sicht nicht auf immer neues Gewähren von Geld beschränken: "Geld verschenken bringt nichts." Er ist ein großer Befürworter der sogenannten Mikrokredite, die einfachen Menschen wirtschaftliches Handeln ermöglichen und sie unabhängig machen.

"Suchet der Stadt Bestes"

Volkmar Klein ist im Blick auf die Dritte Welt ein Verfechter der "selbsttragenden Entwicklung". Er sagt "uneingeschränkt Ja zur Entwicklungshilfe", möchte aber, dass man genauer hinschaut, was mit dem Geld geschieht: "Pauschal Geld zu verteilen, reicht nicht". Auch drängt er nicht unbedingt darauf, dass Deutschland endlich die UN-Verpflichtung von 0,7 Prozent des Bruttosozialprodukts für die Entwicklungshilfe erfüllt. Wichtig ist für ihn, "auch auf die Gefahr hin, dass ich mich wiederhole", dass besser mit dem vorhandenen Geld umgegangenen wird.

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Außerdem brauche sich Deutschland im Blick auf Entwicklungshilfe nun wirklich nicht zu schämen - schon gar nicht im Vergleich zu den meisten anderen Ländern. Denn 6,5 Milliarden Euro umfasst der Haushalt des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, der seit Dienstag dieser Woche auch in der Diskussion um den Bundeshaushalt 2013 im Parlament auf der Tagesordnung steht. Dazu kommen zwei bis drei Milliarden Euro, die die Deutschen für die Dritte Welt spenden (was beim Staat wiederum zu einem Steuerausfall von über einer Milliarde Euro führe).

So schließt sich der Kreis im Gespräch beim Kaffee im Cafe Einstein: Das "Suchet der Stadt Bestes" ist für den Bundestagsabgeordneten Volkmar Klein eine Verpflichtung, die sich nicht nur auf die Euro-Krise erstreckt, sondern auch auf die Entwicklung auf der südlichen Erdhabkugel. Wie anders könnte es auch für ihn sein, der sich in seiner knappen Freizeit von der Hauptaufgabe als Bundestagsabgeordneter und Mitglied zahlreicher Gremien seiner Partei auch mit viel Leidenschaft als Mitglied der Kreissynode Siegen engagiert – "in meiner Kirche", wie er gern unterstreicht.