Europäischer Kirchenbund lädt russisch-orthodoxe Kirche zum Dialog ein

Europäischer Kirchenbund lädt russisch-orthodoxe Kirche zum Dialog ein
Die Konferenz Europäischer Kirchen (KEK) hat an die orthodoxen Kirchen appelliert, sich nicht aus der ökumenischen Zusammenarbeit zurückzuziehen.

Die Russische Orthodoxe Kirche wurde abermals zur Mitarbeit in der Ökumene-Organisation eingeladen. "Die Tür ist offen", sagte der Präsident der Kirchengemeinschaft, der griechisch-orthodoxe Metropolit Emmanuel, am Freitag in Budapest. Auf dem Budapester Kirchentreffen setzten unterdessen die Vertreter aus 120 anglikanischen, orthodoxen und protestantischen Kirchen die Beratungen über eine Reform des Dachverbandes fort.

Metropolit Emmanuel räumte ein, dass es in ethischen Fragen zwischen den protestantischen Kirchen Westeuropas und den orthodoxen Kirchen Meinungsverschiedenheiten gebe. In der Orthodoxie gebe es konservative, national ausgerichtete Gruppierungen, die der ökumenischen Bewegung skeptisch gegenüberstünden. Aber Dialog sei besser als Monolog, empfahl der KEK-Präsident. Die orthodoxe Stimme und die orthodoxe Spiritualität seien wichtig für die ökumenischen Beziehungen.

Patriarchat wirft Protestanten Abkehr von christlichen Lehren und Idealen vor

Die Russische Orthodoxe Kirche, mit rund 100 Millionen Gläubigen die mit Abstand mitgliederstärkste Kirche in Europa, lässt seit 2008 ihre Mitgliedschaft in der europäischen Kirchengemeinschaft ruhen. Grund für diesen Schritt ist die fehlende Bereitschaft der Konferenz Europäischer Kirchen, die mit Moskau verbundene Estnische Orthodoxe Kirche aufzunehmen. In Estland existiert daneben noch die Estnische Apostolische Orthodoxe Kirche, die dem Ökumenischen Patriarchat von Konstantinopel unterstellt ist. Zuvor hatten bereits die orthodoxen Kirchen von Bulgarien und Georgien der KEK den Rücken gekehrt.

Präsident Emmanuel und Generalsekretär Guy Liagre von der Konferenz Europäischer Kirchen warben kürzlich in Moskau für eine Normalisierung der Beziehungen zum Moskauer Patriarchat. Der Empfang durch den russisch-orthodoxen "Außenminister", Metropolit Hilarion, sei sehr herzlich gewesen, sagte Emmanuel. Zugleich räumte er ein, dass das Moskauer Patriarchat den Vorschlag, Beobachter zu dem Budapester Kirchentreffen in dieser Woche zu entsenden, nicht aufgegriffen habe. Aus dem Moskauer Patriarchat wird den protestantischen Kirchen im Westen vorgeworfen, sich immer mehr von den christlichen Idealen und Lehren zu entfernen.

Leitwort: "Was zögerst du noch?"

In einem Papier für die Budapester Vollversammlung machen die orthodoxen Mitgliedskirchen deutlich, dass strittige Themen, die sich als trennend erweisen könnten, in der Konferenz Europäischer Kirchen vermieden werden sollten. Zudem machen sie sich dafür stark, sozialethische und theologische Fragen, die der Tradition einer bestimmten Mitgliedskirche widersprechen könnten, im Konsensverfahren zu entscheiden. Verhindert werden müsse zudem, dass die orthodoxe Tradition im Kirchenbund in die Minderheit gerate. Die konfessionelle Balance sollte durch eine Quote von 25 Prozent für orthodoxe Kirchenvertreter in den Gremien und im Stab der Konferenz Europäischer Kirche sichergestellt werden, wird empfohlen.

Die Versammlung in Budapest steht unter dem biblischen Leitwort "Was zögerst du noch?". Die Konferenz Europäischer Kirchen hat ihren Sitz in Genf, weitere Büros gibt es in Straßburg und Brüssel. Gegründet wurde der Kirchenbund 1959 von Christen aus Ost- und Westeuropa als ein Forum zur Verständigung. Die katholische Kirche ist nicht Mitglied.

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