Merkel für optimistischen Umgang mit demografischem Wandel

Merkel für optimistischen Umgang mit demografischem Wandel
Im Hinblick auf drohenden Fachkräftemangel in Deutschland plädierte die Kanzlerin für mehr Offenheit im Umgang mit Zuwanderern. Viele seien gut ausgebildet und wollten zeigen, was sie können.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) will, dass Mütter und Väter, die in Teilzeit arbeiten, einen Rechtsanspruch auf die Rückkehr in eine Vollzeitstelle erhalten. Dies müsse gesetzlich geregelt werden, sagte Merkel auf dem Zweiten Demografiegipfel der Bundesregierung am Dienstag in Berlin. Um auch in Zukunft genügend Arbeitskräfte zu haben, komme es darauf an, Familien die Vereinbarkeit von Kindern und Beruf zu erleichtern. Die Opposition bezeichnete den Gipfel als "Showveranstaltung". Unternehmensverbände forderten Strategien gegen den Fachkräftemangel.

Merkel warb für einen optimistischen Umgang mit der Alterung der Gesellschaft. Deutschland sei durchaus in der Lage, den demografischen Wandel erfolgreich zu gestalten, sagte sie. Dies sei das Land künftigen Generationen auch schuldig. Schon im Jahr 2025 werde es sechs Millionen Menschen weniger im erwerbsfähigen Alter geben. Die Kanzlerin plädierte für mehr Offenheit im Umgang mit Zuwanderern. Viele seien gut ausgebildet und wollten zeigen, was sie können. Europa brauche einen offenen Arbeitsmarkt und mehr Mobilität bei Ausbildung und Beschäftigung, sagte Merkel.

Minister Friedrich: Zuwanderung aus Nicht-EU-Ländern keine Lösung

Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) sieht in der Zuwanderung aus Nicht-EU-Ländern keine Lösung für den Fachkräftemangel in Deutschland. Entscheidend sei, die Potenziale im eigenen Land und in Europa zu aktivieren. "Zuwanderung ist nicht die erste Antwort". Er wandte sich damit auch gegen Forderungen aus der Wirtschaft und des Koalitionspartners FDP, mehr Fachkräfte aus Nicht-EU-Ländern zu holen.

Die SPD warf Merkel vor, den Demografiewandel zu verschlafen. "Beim Fachkräftemangel setzt die Bundesregierung mit der Einführung des Betreuungsgeldes verheerende Signale", sagte die stellvertretende SPD-Vorsitzende, Manuela Schwesig. Man müsse sich stärker bemühen, Frauen im Berufsleben besser zu fördern. Ähnlich äußerte sich die Fraktionsvorsitzende der Grünen, Renate Künast. Für den familienpolitischen Sprecher der Linken, Jörn Wunderlich, liegt der Fokus der Maßnahmen nicht bei den Menschen sondern den Unternehmen.

Strategie gegen drohenden Fachkräftemangel

Firmenverbände forderten die Bundesregierung auf, nicht nur die Unternehmen in die Pflicht zu nehmen.  Der Hauptgeschäftsführer des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA), Hannes Hesse, plädierte für eine gezielte politische Strategie, um dem drohenden Fachkräftemangel zu begegnen. Die Unternehmensinitiative Charta der Vielfalt forderte "eine neue Arbeitskultur zu schaffen, von der am Ende alle profitierten".

Innenminister Friedrich zog eine positive Bilanz der Arbeit seit dem ersten Demografiegipfel im Oktober 2012. Es sind neun Experten-Arbeitsgruppen unter der Leitung von Regierungsmitgliedern eingerichtet worden. Darin geht es um Fragen der Arbeit, Gesundheit, Pflege, Familie, Zuwanderung, die Zukunft des ländlichen Raums und den öffentlichen Dienst. Bund, Länder und Kommunen, sowie die Wirtschaft und Experten aus allen Bereichen sollen die Strategien im Umgang mit dem demografischen Wandel besser koordinieren. Friedrich sagte, dabei könnten alle vom Osten Deutschlands lernen. Dort sei die Bevölkerung in manchen Regionen bereits um 40 bis 50 Prozent zurückgegangen.

In Deutschland leben rund 82 Millionen Menschen. Die Bevölkerungszahl stagniert seit Mitte der 1990er Jahre. Der jüngsten Prognose des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung zufolge werden in 50 Jahren zwischen 65 und 70 Millionen Menschen in Deutschland leben, fast jeder Zweite wird dann älter sein als 65 Jahre.

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