Studie: Grundsicherung erreicht viele arme Senioren nicht

Studie: Grundsicherung erreicht viele arme Senioren nicht
Viele arme Senioren nehmen einer Untersuchung zufolge die staatliche Grundsicherung im Alter nicht in Anspruch.

Verdeckte Armut sei unter Menschen mit niedriger Rente noch immer verbreitet, erklärte die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung am Dienstag in Düsseldorf und verwies auf Untersuchungen der Wirtschaftswissenschaftlerin Irene Becker. Die Forscherin geht davon aus, dass deutlich weniger als die Hälfte der Anspruchsberechtigten über 65 Jahre auch tatsächlich Leistungen der Grundsicherung beziehen.

Bereits seit den 1990er Jahren sei aufgrund verschiedener Erhebungen klar, dass auf jeden Sozialhilfeempfänger ein Sozialhilfeberechtigter kommt, der seine Ansprüche auf staatliche Unterstützung nicht einlöst, sagte Becker. Unter Älteren sei die verdeckte Armut besonders verbreitet. Entweder mieden sie aus Scham oder Angst den Gang zum Amt oder sie seien über ihre Ansprüche auf Grundsicherung nicht informiert. 

Rente reiche oft nicht aus

Nach Beckers Berechnungen auf der Basis von Daten aus 2007 bezogen von gut einer Million Menschen ab 65 Jahren, denen damals die Grundsicherung zustand, nur 340.000 Menschen tatsächlich die Leistungen. Die daraus abgeleitete "Quote der Nichtinanspruchnahme" betrug 68 Prozent. Dieses Ergebnis dürfte die Realität gut widerspiegeln, sagte Becker in Düsseldorf.

Bedürftigkeit im Alter sei meist keine Folge gänzlich fehlender Rentenansprüche, erklärte die Wissenschaftlerin. Die Rente reiche aber oft nicht aus, um die Bezieher auf das soziokulturelle Existenzminimum zu heben.

Wer Grundsicherung im Alter bekomme, komme durchschnittlich auf ein gesetzliches Alterseinkommen von 549 Euro brutto im Monat. Dies entspreche 44 Prozent des durchschnittlichen Altersbezugs nicht bedürftiger Rentner. Die Wissenschaftlerin appellierte an die Gesetzgeber, das 2003 in Kraft getretene Gesetz zur Grundsicherung im Alter zu überarbeiten.

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