Evangelisch in Rom: "Wie David gegen Goliath"

Pfarrer Jens-Martin Kruse

epd-bild/Cristian Gennari

"Wir freuen uns, wenn es der katholischen Kirche gutgeht", sagt der deutsche evangelische Pfarrer in Rom, Jens-Martin Kruse.

Evangelisch in Rom: "Wie David gegen Goliath"
Drei Fragen an Pfarrer Jens-Martin Kruse von der deutschen evangelischen Gemeinde in Rom
Das Verhältnis ist wie bei David gegen Goliath. Den Kopf zieht der Pfarrer der deutschen evangelischen Gemeinde in Rom, Jens-Martin Kruse, angesichts der omnipräsenten katholischen Kirche aber nicht ein. In der ewigen Stadt evangelischer Geistlicher zu sein, "ist die schönste und anspruchsvollste Aufgabe, die ich mir denken kann", sagt der 43-jährige Hamburger im epd-Gespräch. Auch das Konklave verfolgen er und seine rund 500 Mitglieder zählende Gemeinde mit großem Interesse. Wenn der weiße Rauch aufsteigt, wollen sie gemeinsam zum Petersplatz pilgern - wie schon 2005.

Wie erleben Sie und die evangelische Gemeinde in Rom das Konklave? Soviel geballter Katholizismus mit Pilgerscharen aus aller Welt muss doch bestimmt ein wenig frustrierend sein.

Jens-Martin Kruse: Nein, gar nicht. Evangelischer Pfarrer in Rom zu sein, ist für mich die schönste und anspruchsvollste Aufgabe, die ich mir denken kann. Auch wenn ich mich wie David gegen Goliath fühle. Wir freuen uns, wenn es der katholischen Kirche gutgeht, und wir leiden mit ihr in schwierigen Zeiten, wie etwa beim Rücktritt von Benedikt XVI. Zwischen den Katholiken und uns herrscht sehr viel Nähe und Vertrauen.

Vor zwei Jahren, am 14. März 2010, hat Papst Benedikt XVI. die lutherische Gemeinde in Rom besucht.

Ein Großereignis unserer Schwesterkirche wie das Konklave lässt uns daher nicht kalt. So ein Konklave mit seinen Rauchzeichen ist schon eine spannende Sache. Wenn weißer Rauch kommt, wollen wir zum Petersplatz pilgern. Wie schon 2005, als Joseph Ratzinger Papst wurde.

Wie haben Sie den deutschen Papst in Rom wahrgenommen?

Kruse: Joseph Ratzinger war der deutschen evangelischen Gemeinde immer sehr verbunden. Als Papst Benedikt XVI. hat er 2010 sogar einen Gottesdienst bei uns gefeiert. Sein Rücktritt hat uns sehr bewegt und auch traurig gemacht. In Rom konnten wir ihn aus der Nähe wahrnehmen, nicht nur als Papst, sondern auch als Bischof von Rom. Benedikt war ein zugewandter Papst, der nahe bei den Menschen war und mit seinem bescheidenen Auftreten überzeugte. Leider haben das die Gläubigen in Deutschland nicht immer so gesehen. Ich glaube, die Deutschen haben ihn nie so richtig verstanden. Das ist schade.

Wie sollte der neue Papst denn sein? Haben Sie da spezielle Wünsche?

Kruse: Der neue Papst sollte auf alle Fälle aufgeschlossen gegenüber den anderen Kirchen sein und Mut zum Aufbruch haben. Ein bisschen wie Johannes XXIII. (1958-1963), der das Zweite Vatikanische Konzil auf den Weg gebracht hat. Benedikts Nachfolger sollte außerdem ein Gespür für die Sorgen und Nöte der Menschen haben und fähig sein, die Gläubigen mit seinen Worten zu erreichen.