Rollstuhl statt Kanzel: ProChrist-Chef Parzany erleidet Schwächeanfall

Ulrich Parzany

Foto: epd-bild/Wolfgang Schmidt

Der Leiter von ProChrist, Ulrich Parzany.

Rollstuhl statt Kanzel: ProChrist-Chef Parzany erleidet Schwächeanfall
Die alle überraschende Nachricht kommt an diesem Sonntagabend um fünf nach acht: Ulrich Parzany (71), das Gesicht von ProChrist, wird nicht sprechen.

Kreislaufschwäche, sagt Moderator Jürgen Werth. Ein harter Schlag für die Großevangelisation, bei der bis zum kommenden Sonntag via Satellitenübertragung an 800 europäischen Orte insgesamt eine Million Zuschauer erreicht werden sollen. Parzany hatte bereits sechs ProChrist-Kampagnen geleitet, nur bei der ersten 1993 in Essen sprach der US-Evangelist Billy Graham.

Was die meisten der mehr als 5.000 Besucher in der Porsche-Arena an diesem Abend nicht mitbekommen haben: Wenige Minuten zuvor hat Parzany noch das Signal gegeben, dass er sprechen könne. Doch dann muss er mit einem Rollstuhl aus der Halle gefahren werden. Das Ganze zeichnete sich allerdings schon tagsüber ab, als der Prediger bei einer Probe zusammenklappte und Infusionen bekam.

Ersatzmann ist der württembergische evangelische Pfarrer Steffen Kern, Mitglied der Landessynode und Vorsitzender des württembergischen Gemeinschaftsverbandes "Die Apis". Es sind große Schuhe für den End-Dreißiger, aber er meistert seine Aufgabe mit Bravour. Frei spricht er zur Menge und in die Kamera. Seine Routine als kirchlicher Verkündiger im baden-württembergischen Privatradio nutzt ihm in dieser Situation sehr.

Einen Glaubensschritt wagen

Kern spricht über Lottogewinne, Krebsdiagnosen und über Jesus Christus, der die Hungernden, Armen und Weinenden selig gepriesen hat. Nicht die Satten und Erfolgreichen bekämen göttliche Verheißungen, sondern die Leidenden und Vernachlässigten, sagt Kern. Zum Schluss lädt er die Zuhörer ein, einen Glaubensschritt zu wagen und zur Bühne zu kommen, wo ein leuchtendes Kreuz auf den Boden projiziert wird.

Dort sollen sie ein Gebet mit ihm sprechen, das er ihnen zuvor vorgelesen hat. Trotz seiner eindringlichen Worte macht der eingesprungene Prediger deutlich, dass niemand in den christlichen Glauben hineinmanipuliert werden solle. Rund 100 Menschen folgen in der Porsche-Arena dem Aufruf, begleitet von weiteren 100 Seelsorgern.

Im Vorprogramm hat der Milliardärssohn Tobias Merckle über eine von ihm entwickelte Alternative zum Strafvollzug für Jugendliche geredet. Statt einer Karriere im Knast, aus dem die jungen Leute oft krimineller herauskommen als sie hineingingen, bietet er im "Seehaus" in Leonberg bei Stuttgart eine Art offenen Vollzug an. Die Jugendlichen können eine Ausbildung machen und leben in christlichen Familienverbünden. Merckle spricht auch über seinen eigenen Glauben. "Ich weiß, ich bin angenommen von Gott und habe in ihm einen liebenden Vater", bekennt er.

Fester Grund im Glauben

Umrahmt ist der Abend von einem professionellen Unterhaltungsprogramm. Die schweizerisch-deutsche Sängerin Yasmina Hunzinger, Teilnehmerin bei der ersten Staffel des Wettbewerbs "The Voice of Germany", singt auf Englisch über den festen Grund, den ein Mensch zum Leben braucht. Sie selbst hat ihn im Glauben gefunden.

Um 20.55 Uhr endet die Übertragung. Steffen Kern lädt noch ein, dass die Menschen wieder kommen und weitere Gäste mitbringen sollen, auch an den 800 Übertragungsorten. Nur wer predigen wird, das kann er am Ende des Eröffnungsabends nicht ankündigen. Dazu müssen die Verantwortlichen erst mit Ulrich Parzany und seinen Ärzten reden.

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