FAZ darf "Frankfurter Rundschau" übernehmen

FAZ darf "Frankfurter Rundschau" übernehmen
Bundeskartellamt gibt grünes Licht für Sanierungsfusion
Das weitere Erscheinen der "Frankfurter Rundschau" (FR) scheint gesichert: Das Bundeskartellamt genehmigte die Übernahme des insolventen Blattes durch die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ). Wie die Wettbewerbsbehörde am Mittwoch in Bonn mitteilte, waren die Voraussetzungen für eine sogenannte Sanierungsfusion gegeben.

Allerdings hat die FAZ noch keinen Kaufvertrag unterzeichnet. Der Sprecher der Insolvenzverwaltung, Ingo Schorlemmer, sagte dem epd, die Verhandlungen mit der FR müssten nun zuende geführt werden. Dabei seien "letzte Details" zu klären. Die seit Jahren defizitäre FR, die derzeit mehrheitlich zum Kölner DuMont-Verlag gehört, hatte Mitte November Insolvenz angemeldet. Der Verlag beschäftigt noch rund 450 Mitarbeiter, bei einer Übernahme durch die FAZ würden rund 420 ihren Arbeitsplatz verlieren. Die Druckerei im Vorort Neu-Isenburg würde geschlossen.

Eine Kaufentscheidung der FAZ müsste spätestens am Donnerstag fallen. Bis zu diesem Tag reichen nach Auskunft der Insolvenzverwaltung die zur Verfügung stehenden finanziellen Mittel. Kommt keine Einigung mit der FAZ zustande, würde voraussichtlich am Freitag die letzte Ausgabe der FR erscheinen. Bereits in der vergangenen Woche hatte ein Großteil der FR-Mitarbeiter Vertragsangebote für den Übergang in eine Transfergesellschaft erhalten, in der für sechs Monate eine Weiterbeschäftigung möglich ist.

Furcht vor marktbeherrschender Stellung

Das Kartellamt erklärte, im Hinblick auf die deutschlandweiten Leser- und Anzeigenmärkte werfe der Zusammenschluss keine Bedenken auf. Problematisch seien die regionalen Leser- und Anzeigenmärkte im Raum Frankfurt/Rhein-Main, auf denen "die Entstehung oder Verstärkung einer marktbeherrschenden Stellung" des Verlags der FAZ zu erwarten sei. Die Frankfurter Fazit-Stiftung hält die Mehrheit an der FAZ GmbH und an der Frankfurter Societäts-Druckerei, die die "Frankfurter Neue Presse" herausgibt. Das Vorhaben sei aber genehmigt worden, weil die Fusionskontrolle bei insolvenzbedrohten Firmen nach besonderen Regeln laufe. Voraussetzung für eine Sanierungsfusion ist unter anderem, dass kein ernsthafter alternativer Käufer existiert.

Bei der Prüfung des FAZ-Antrags verwarf das Kartellamt ein Angebot des türkischen Medienunternehmers Burak Akbay, der angekündigt hatte, 80 Mitarbeiter im Verlag und 30 in der Druckerei zu übernehmen. Im Ergebnis habe man nicht annehmen können, "dass dieses Angebot eine Zerschlagung der 'Frankfurter Rundschau' verhindern würde, wenn ein Erwerb durch die FAZ nicht zustande käme", erklärte die Behörde. Auch der Insolvenzverwalter Frank Schmitt und der Gläubigerausschuss der FR hatten Akbays Konzept als nicht tragfähig bewertet.

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