Caritas-Präsident Neher: Abtreibung nach Vergewaltigung akzeptieren

Caritas-Präsident Neher: Abtreibung nach Vergewaltigung akzeptieren
Aus Sicht von Caritas-Präsident Peter Neher müssen vergewaltigte Frauen in katholischen Krankenhäusern umfassend beraten werden, um eine selbstbestimmte Entscheidung über eine mögliche nachträgliche Empfängnisverhütung zu fällen. Dabei sei auch zu akzeptieren, wenn sich die Frau für ein Medikament mit abtreibender Wirkung entscheide.

Der Chef des katholischen Wohlfahrtsverbandes sagte am Sonntagabend in der ARD-Sendung "Günther Jauch", die Abweisung eines Vergewaltigungsopfers durch zwei katholische Kliniken in Köln widerspreche dem Selbstverständnis der Caritas.

Die nordrhein-westfälische Gesundheitsministerin Barbara Steffens (Grüne) sagte, sie verlange Therapiefreiheit für die Ärzte in katholischen Klininken. Zudem müsse in allen katholischen Krankenhäusern sichergestellt sein, dass vergewaltigte Frauen einen Zugang zur "Pille danach" bekommen. Dabei sei nicht entscheidend, ob das Medikament von einem Arzt des Krankenhauses verschrieben oder ein anderer Mediziner hinzugeholt werde.

Hintergrund der Diskussion über die "Pille danach" ist der Fall einer vergewaltigten Frau in Köln, die im Dezember 2012 von zwei katholischen Kliniken abgewiesen worden war. Die Krankenhäuser hatten sich geweigert, die Frau zu untersuchen und mögliche Spuren zu sichern, weil dies auch mit einer Beratung über einen möglichen Schwangerschaftsabbruch sowie dem Verschreiben der "Pille danach" verbunden gewesen wäre. Der Träger der Häuser wie auch das Erzbistum Köln hatten sich nach dem Vorfall entschuldigt.

Der Kölner Kardinal Joachim Meisner erklärte zudem vor wenigen Tagen, es sei vertretbar, wenn nach einer Vergewaltigung ein Präparat verwendet werde, das eine Befruchtung verhindere. Diese "Pille danach" ist zu unterscheiden von einer Abtreibungspille, welche zur Ablösung der Gebärmutterschleimhaut führt, so dass die Einnistung einer bereits befruchteten Eizelle abgebrochen wird. Inwieweit auch eine sogenannte Nachverhütung durch die "Pille danach" im Einzelfall eine abtreibende Wirkung haben kann, ist umstritten.

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