Behindertenbeauftragter fordert Initiative gegen Down-Syndrom-Test

Behindertenbeauftragter fordert Initiative gegen Down-Syndrom-Test
Der Behindertenbeauftragte der Bundesregierung Hubert Hüppe (CDU) will sich mit dem seit Montag verfügbaren Test zur Früherkennung des Down-Syndroms bei ungeborenen Kindern nicht abfinden.

"Ich hoffe, dass dies in der Politik zum Anlass genommen wird, über die Rechtmäßigkeit eines solchen Tests zu diskutieren", sagte Hüppe dem Evangelischen Pressedienst (epd). Dabei verweist er auf alle Fraktionen: "Solche Themen waren immer Anlass, über Parteigrenzen hinweg zu handeln."

Die Konstanzer Firma LifeCodexx teilte am Montag mit, dass der umstrittene Test zunächst in mehr als 70 Praxen und Kliniken in Deutschland, Österreich, Liechtenstein und der Schweiz angeboten werde. Er kann laut Herstellerangaben anhand einer Blutprobe der Mutter mit hoher Wahrscheinlichkeit sagen, ob das Kind im Mutterleib Down-Syndrom hat. Bisher ist dieser Nachweis nur über Fruchtwasseruntersuchungen möglich, die das Risiko einer Fehlgeburt bergen.

Kirchen und Behindertenverbände protestieren

Bei Kirchenvertretern und Behindertenverbänden stößt das Verfahren auf Protest. Hüppe hält den Test nach eigenen Worten für illegal, weil das Gendiagnostikgesetz solche Untersuchungen nur für medizinische Zwecke, beispielsweise zum Finden der besten Therapie erlaube. Der Praena-Test habe dagegen nur einen Zweck: das Aussortieren von Menschen, kritisierte Hüppe.

Auf Widerstand stößt bei ihm auch die Ankündigung des Konstanzer Unternehmens, den Bluttest weiter auszubauen. In naher Zukunft soll man nicht nur den Chromosomenfehler Trisomie 21, das Down-Syndrom, sondern auch chromosomale Veränderungen wie Trisomie 13 und 18 feststellen können. "Ich befürchte, es wird ein immer dichteres Netz werden, um nach Kindern mit Behinderungen zu fahnden", sagte Hüppe.

Zudem werde der Druck auf werdende Mütter zunehmen, mahnte Hüppe. "Eine Frau, zumindest ab einem bestimmten Alter, wird gesellschaftlich fast zu solchen Untersuchungen gezwungen", sagte er. Es müsse auch hinterfragt werden, ob es richtig ist, Fruchtwasseruntersuchungen so häufig anzuwenden.

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