Biker-Gottesdienst: "So etwas gibt es nirgendwo anders"

Motorrad-Gottesdienst

Foto: Hendrik Urbin/Christian P. Stadtfeld

Biker-Gottesdienst: "So etwas gibt es nirgendwo anders"
Wenn tausende Biker sich treffen, ist das laute Röhren der Motorräder nicht weit - aber auch der Gottesdienst nicht. Beim "Friendship Ride" gehört er selbstverständlich zum Programm. Für viele Biker ist er ein unverzichtbarer, besinnlicher Höhepunkt des dreitägigen Treffens.

20.000 Besucher mit 6.000 Bikes aus Deutschland, Österreich und der Schweiz an drei Tagen – das ist die Bilanz des vierten "Friendship Ride Germany" auf Hessens höchstem Berg. Es ist ein Charity-Mega-Event mit vielen Highlights. Denn der Reinerlös kommt karikativen Organisationen zugute – und deshalb genießen die Gäste die Gewissheit, einen Beitrag für eine gute Sache geleistet zu haben. Zum Eventprogramm gehört als unverzichtbare Anlaufstelle vor der großen Parade durch das Fuldaer Land der Harley-Gottesdienst unter freiem Himmel, der viele der Biker anzieht.

Für das spirituelle Highlight versammeln sich die Biker im Innenhof des Groenhoff-Hauses auf der Wasserkuppe (Rhön) in 950 Metern Höhe. Gut 1.000 Menschen sind der "spirituellen Einladung" gefolgt - viele schätzen die lockere Atmosphäre und die tolle Musik zum Mitsingen. Und in diesem Jahr meinte es auch Petrus besonders gut und bescherte herrliches Wetter, Sonnenschein und angenehme Temperaturen. Gestaltet wurde der besondere Gottesdienst von Pfarrer Holger Biehn aus Flieden, Pfarrerin Katrin Rouwen aus Eiterfeld-Buchenau und Monsignore Christof Steinert aus Fulda.

Eine besondere Atmosphäre

Auch die "Band ohne Namen" ist seit vier Jahren mit dabei und einer der Gründe für den Erfolg mit jährlich zunehmenden Besucherzahlen.

Pfarrer Holger Biehn hatte 2009 erstmals nach 15 Jahren ohne öffentliche Auftritte das Comeback der Band organisiert. Und auch am Sonntag nahmen die sechs Musiker im Gottesdienst die Biker mit: "Come, now is the time for worship", "Bridge over troubled water" oder "Lord, I lift your name in high" sangen die Besucher mit. Der Gottesdienst gehört zum "Friendship Ride" dazu, sagt Pfarrer Biehn: "Ich erlebe hier immer unheimlich aufmerksame Menschen - bei den Bikern merkt man, dass sie wirklich interessiert sind."

Biehn schätzt vor allem die "riesengroße Bühne", die der Messe eine "besondere Atmosphäre" gibt. Denn dort, wo abends noch Party mit lauter Musik ist, wird am Sonntagmorgen dann ein "wunderbarer Gottesdienst" gefeiert. Auch für Monsignore Christof Steinert war die Harley-Feier "sehr faszinierend": "Es ist schön zu sehen, wie die Biker in der Freiheit mit ihrem Motorrad leben."

Von der Sehnsucht nach Asphalt

Ist Geld und Ansehen alles im Leben? Oder gibt es noch einen tieferen Sinn im Leben? Existentielle Gedanken. In Biehns Predigt geht es um einen einsamen Business-Man, der zwar in seinem Job sehr erfolgreich, aber durch seine Karriere sehr einsam ist. Nur fehlt ihm die Sehnsucht nach dem Woanders, die Sehnsucht nach etwas Neuem, diese Sehnsucht nach "Asphalt". Der Reisende trifft einen Fremden auf der Straße, eine "wundersame, echte Begegnung". Denn es ist einer dieser besonderer Menschen, die den Menschen ins Herz schauen können, die genau merken, was die anderen bewegt."

Und es ist noch etwas besonders an der Begegnung: zwei Menschen, die eigentlich gar nicht zueinander passen: Sie sind "ein hohes Tier und ein ziemlicher Normalo". Doch beide unterhalten sich ganz offen, tauschen sich aus - und der Fremde erzählt dem Reisenden von Jesus Christus: wie er sich für Schwache eingesetzt oder mit Leuten am Tisch gegessen hat, die von anderen gemieden wurden. Für den Reisenden wirkt das alles wie "ein Wunder, mitten auf dem Asphalt dieser Zeit".

Damit holt der Theologe ein Stück Straßenasphalt hervor, echter Fliedener Asphalt. Biehn predigt: "Der Brocken könnte aber auch von überall sonst wo herkommen, 627.000 Kilometer gibt es davon allein in Deutschland. Alles Orte, an denen Wunder geschehen können." Was hat das alles mit dem "Friendship-Ride" zu tun? Pfarrer Biehns Antwort: "Ich wünsche euch allen, dass ihr unterwegs auch an so einem Ort vorbei kommt, an dem solche Wunder geschehen können." Am Ende des gut einstündigen Gottesdienstes gabs noch den Segen für die anstehende Parade durch die Rhön.

"So etwas gibt es nirgendwo anders"

Für die Biker ist es das "Gemeinschaftsgefühl" und der "gute Zweck", was das Harley-Event auf der Wasserkuppe "so einzigartig" macht, meint der 48-jährige "Sepp", Harley-Fahrer aus Leidenschaft: "Beim Gottesdienst und der tollen Fahrt danach sind wir wie ein große Familie." "So etwas gibt es nirgendwo anders - der Gottesdienst: schön locker, für jedermann zugänglich: einwandfrei!" sagt Martin Scholz (35) aus dem unterfränkischen Hammelburg.

Für Christina Maierhof (43) aus Hannover ist der Harley-Gottesdienst genau der "richtige Start" in den Tag: "Wir kommen schon seit vier Jahren in die Rhön. Der Pfarrer, die Predigt, die Musik - alles einfach nur klasse." Und nach dem großen Erfolg des vierten Friendship Ride werden auch im nächsten Jahr wieder tausende Harleys in der Rhön röhren.