Ich bin was ich esse - Speisen im Flugzeug

Ich bin was ich esse - Speisen im Flugzeug

Foto: fotolia/vsurkov

Ich bin was ich esse - Speisen im Flugzeug
Essen ist eine sehr individuelle Angelegenheit. Nicht nur, weil es Geschmackssache ist. Auch religiöse Vorschriften oder die Gesundheit mancher Menschen verlangen nach speziell zubereiteten Mahlzeiten.

Einiges lässt sich von den Essenstablets im Fugzeug ablesen. Zum Beispiel geben sie Auskunft darüber, welche Länder der Welt einen zunehmenden wirtschaftlichen Wohlstand verbuchen können. Auch der Zustand der Bevölkerung der arrivierten industriellen Wohlstandsnationen lässt sich ablesen.

LSG Sky Chefs, der Caterer der Lufthansa, beliefert 30 Prozent des internationalen Luftverkehrs mit Essen. "Die Nachfrage nach Sondermahlzeiten hat in den vergangenen Jahren an Bedeutung zugenommen", sagt Kerstin Lau von den LSG Sky Chefs. LSG bietet insgesamt 100 verschiedene Sondermahlzeiten an. Darunter herkömmliche Kindermenüs und spezielle Jain Meals, Essen für Vegetarier, die aus Rücksicht auf Pflanzen kein Wurzelgemüse essen (erhältlich bei SriLankan Airlines).

Milchprodukte sind absolut verboten

Ein Großteil der speziellen Menüs wird von Allergikern, Diabetikern und Menschen mit Unverträglichkeiten gebucht. Das Wohlstandsthema Cholesterin steht auf der Agenda, ebenso laktose- und glutenfreies Essen. Eine große Gruppe von religiösen Menschen bestellt mittlerweile Essen, das ihren Ansprüchen genügt. "Bis 24 Stunden vorher kann man in der Regel noch ein Spezialmenü bei seinem Fluganbieter bestellen", sagt Kerstin Lau.

Von 69 Millionen Essen im Jahr, die der Caterer LSG Sky Chefs alleine von Deutschland aus liefert, waren 2011 cirka 180.000 Essen koscher und halal. Das heißt, sie entsprachen jüdischen beziehungsweise muslimischen Vorgaben. Schweinefleisch und Alkohol sind für Muslime besipielsweise absolut haram (verboten) und nicht halal (erlaubt).

Das koschere Essen in Deutschland liefert der Cateringservice Sohar's aus Frankfurt. Das Essen ist sogar glatt koscher, "damit auch ein orthodoxer Rabbiner auf dem Flug etwas essen kann", sagt Geschäftsleiter Axel Neher. Glatt koscher bedeutet unter anderem: Milchprodukte sind absolut verboten und dürfen niemals mit dem verwendeten Geschirr in Berührung gekommen sein. Außerdem steht Sohar's Küche unter Aufsicht des Frankfurter Rabbinats. Ein Gehilfe des Rabbiners, der Maschgiach, wacht über die Einhaltung des jüdischen Speisegesetzes, der Kaschrut. Der Maschgiach schließt die Küche auf und nur er darf den Herd entzünden.

Die zehn besten Essen an Bord

Als dritte Religionsgruppe verlangen Hinduisten ein speziell zubereitetes Essen; sie dürfen aufgrund der Heiligkeit des Rindes in ihrer Religion, kein Rind- und Kalbsfleisch essen. Inder allerdings, die Economy Class fliegen, müssen vegetarisch essen. Denn das nach hinduistischen Richtlinien zubereitete, indisch gewürzte Essen, kann nur in der Business Class gebucht werden.

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In den vergangenen Jahren sei die Zahl von Chinesen, Indern und Arabern unter den Fluggästen immer mehr gestiegen, sagt Kerstin Lau. Und damit stiegen auch die Ansprüche ans Essen. Bemerkbar macht sich dieser Wandel auch in Rankings: 2012 gingen die zehn ersten Plätze für das beste Essen an Bord ausschließlich an asiatische und arabische Fluggesellschaften.

490 Millionen Essen liefert LSG Sky Chefs nach eigenen Angaben jährlich weltweit an Fluggesellschaften. Ein weiterer großer Essenslieferant in der Flugbranche ist Gate Gourmet mit Hauptsitz in der Schweiz. Das Unternehmen liefert jedes Jahr, nach eigenen Angaben, 200 Millionen Essen aus.

Alles endet in der gleichen Tonne

Natürlich muss bei so viel Essen auch immer etwas weggeworfen werden. Weil Wegwerfen für die Unternehmen nicht wirtschaftlich ist, würden regelmäßig "offload"-Analysen durchgeführt, sagt Birgitt Trindler von Gate Gourmet. Damit soll ermittelt werden, welches Essen bei den Passagieren ankommt und welches verzichtbar ist. Denn laut einer Verordnung des Europäischen Parlaments müssen Lebensmittel aus EU grenzüberschreitendem Verkehr unschädlich beseitigt werden. "Aus logistischen Gründen unterscheiden die meisten Betriebe nicht zwischen EU-Aus- oder Inland", sagt Kerstin Lau von LSG Sky Chefs, "und werfen alles gemäß der EU-Verordnung weg".

Wieviel Flugzeug-Mahlzeiten im Müll landen, darüber gibt es keine Erhebungen. Dafür verrät uns das Essen im Flugzeug: Chinesen und Inder werden reicher und fliegen mehr, die bisher Reichen brauchen wie hochgezüchtete Rennpferde spezielles Essen, um ihre Wohlstandskrankheiten einzudämmen und die Welt rückt näher zusammen. Zumindest, wenn alle Menüs am Ende gleichberechtigt in derselben Tonne landen.