Kulturbeauftragte kritisiert atheistisches Kirchenbild

Kulturbeauftragte kritisiert atheistisches Kirchenbild
"Religionskritik darf alles, nur sollte sie sich auf dem Niveau abendländischer Religionskritik bewegen", sagte die Theologin in einem Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd).

Die Kulturbeauftragte der Evangelischen Kirche in Deutschland, Petra Bahr, hat von den atheistischen Bewegungen in Deutschland mehr Niveau eingefordert, anlässlich einer internationalen atheistischen Tagung in Köln.

Bahr kritisierte vor allem das Kirchenbild, das von atheistischen Verbänden wie dem Internationalen Bund der Konfessionslosen und Atheisten als Mitorganisator der Tagung vertreten wird. Zelebriert werde hier ein Zerrbild, das auf mittelalterlichen Vorstellungen basiere. "Auch das Christentum hat einen Prozess der Aufklärung hinter sich", sagte Bahr. "Mich ärgern die Verschwörungstheorien."

"Die Aufklärung richtet sich nicht gegen Religion, sondern gegen Bevormundung, komme sie nun von den Kanzeln oder von woanders", ergänzte die EKD-Kulturbeauftragte. Deshalb richte sich die Aufklärung auch gegen falsche Wissenschaftsgläubigkeit und den Wahn einer entgrenzten Vernunft. Bahr verwies darauf, dass es sich auch beim Atheismus um eine Weltanschauung handle, die ein Angebot der Lebensdeutung anbiete, nur ohne Gott.

Nicht in "ostentative Ignoranz" verfallen

Die Kirchen rief Bahr in der Auseinandersetzung mit dem Atheismus zu Gelassenheit auf. "Die Kirchen müssen zum christlichen Glauben als tragbarer Lebensgrundlage einladen. Das Christentum versteht sich nicht mehr von selbst." Bahr forderte die Christen auf, angesichts der Kritik der Atheisten weder beleidigt zu sein noch in "ostentative Ignoranz" zu verfallen.

Mit Blick auf die derzeit geführte Diskussion um das kirchliche Arbeitsrecht, das auch von atheistischen Verbänden kritisiert wird, betonte Bahr, dass innerhalb der Kirchen eine intensive Diskussion in Gang sei. Die Kampagne "Gegen religiöse Diskriminierung am Arbeitsplatz", die vom Internationalen Bund der Konfessionslosen und Atheisten in Köln vorgestellt wurde, gehe an den Herausforderungen des kirchlichen Arbeitsrechts vorbei, sagte Bahr. Die Theologin verwies unter anderem auf die kontinuierliche Auseinandersetzung der Kirchen mit der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di.

Am Pfingstwochenende kamen in Köln rund 200 Atheisten, Freidenker und Humanisten zu einer internationalen Konferenz zusammen. Im Mittelpunkt stand die teils polemische Auseinandersetzung mit der Institution Kirche. Organisiert wurde die Tagung vom Internationalen Bund der Konfessionslosen und Atheisten und der Atheist Alliance International. Kooperationspartner war die religionskritische Giordano-Bruno-Stiftung.

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