Fehrs: Völkischer Nationalismus nicht mit dem Glauben vereinbar

Fehrs: Völkischer Nationalismus nicht mit dem Glauben vereinbar
Bei ihrer Jahrestagung beschäftigt sich die evangelische Kirche mit den Angriffen auf die Demokratie. Sie zieht eine Grenze: Völkischer Nationalismus sei mit dem Evangelium nicht vereinbar. Doch Argumente allein helfen nicht gegen den Rechtsruck.
08.11.2026
epd
Von Franziska Hein (epd)

Würzburg (epd). Die evangelische Kirche hat ihre Ablehnung von Positionen der AfD bekräftigt. „Wahlerfolge verändern vielleicht Machtverhältnisse - aber sie ändern nichts an der Unvereinbarkeit von Menschenfeindlichkeit mit dem Evangelium“, sagte die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Kirsten Fehrs, am Sonntag in Würzburg. Dort startete die Jahrestagung der Synode der EKD, die sich im Schwerpunkt mit dem Thema Demokratie beschäftigt. Man werde Feinden der liberalen Demokratie nicht das Feld überlassen, sagte die Hamburger Bischöfin.

Völkischer Nationalismus und Antisemitismus seien mit dem christlichen Glauben nicht vereinbar, sagte Fehrs. Sie nannte die AfD zwar nicht beim Namen, ließ aber mit dem Verweis, dass eine in Teilen als rechtsextrem eingestufte Partei erstmals nach mehr als 80 Jahren einen Parlamentspräsidenten stelle, keinen Zweifel daran, dass sie sie AfD meinte. In Sachsen-Anhalt war nach dem Wahlerfolg der AfD ein Vertreter der Partei, Tobias Rausch, zum Landtagspräsidenten gewählt worden.

Meister: Argumente allein reichen nicht

Der Leitende Bischof der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD), Ralf Meister, hatte zuvor betont, dass die Demokratie sich nicht allein mit guten Argumenten verteidigen lasse. Stattdessen müssten auch die Kirchen im Kampf gegen Rechtspopulismus und Rechtsextremismus stärker auf die Gefühle der Menschen eingehen, sagte er am Wochenende während der Generalsynode der Lutheraner, die parallel zur EKD-Synode tagt.

Der Sozialwissenschaftler Harald Welzer stellte hingegen eine Erzählung infrage, die nur die Polarisierung in der Gesellschaft betont. Die Wirklichkeit bestehe aus Menschen, die nicht dauererregt seien und sich für andere engagierten, sagte Welzer vor den 128 Delegierten der Synode. Diese guten Leute seien die stärkste Ressource für die freiheitliche Demokratie.

Die Präses der EKD-Synode, Anna-Nicole Heinrich, blickt auf den Zustand der Demokratie auch unter Berücksichtigung der Generationengerechtigkeit. Mit Blick auf die jüngsten Jugendproteste sagte sie, es melde sich eine Generation, die sich große Sorgen um die Zukunft mache. Es gehe um Bildungschancen, bezahlbares Leben, Klimaschutz und persönliche Sicherheit.

Zentralratspräsident fordert von Kirche Widerspruch bei Antisemitismus

Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, forderte in seinem Grußwort an die Synodalen dazu auf, verächtlichen Bemerkungen und einer Diskriminierung von Jüdinnen und Juden zu widersprechen. Man dürfe nicht warten, bis jemand anders den Anfang mache, sagte er. „Wer den Mund aufmacht, macht es dem nächsten leichter, es ebenfalls so zu tun.“

Der katholische Würzburger Bischof Franz Jung rief zu mehr gemeinsamen ökumenischem Engagement gegen gesellschaftliche Polarisierung auf. „In dieser Situation müssen die christlichen Kirchen dazu beitragen, verbindende Kräfte zu stärken, um ein immer weiteres Auseinanderfallen der Gesellschaft zu verhindern“, sagte Jung vor den Synodalen.

Der bayerische Landesbischof und evangelische Ökumene-Beauftragte, Christian Kopp, sagte, auch die ökumenische Gemeinschaft stelle „einen besonderen Lernraum für Demokratie“ dar. Gläubige und kirchliche Institutionen erprobten darin immer wieder die gemeinsame Entscheidungsfindung, Übernahme von Verantwortung, Beteiligung und den konstruktiven Umgang mit Differenzen, sagte er. Die Synode der EKD tagt noch bis Mittwoch in Würzburg.