Würzburg (epd). Der Bischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Jordanien und dem Heiligen Land, Imad Mousa Haddad, sieht die Zukunft der christlichen Gemeinschaft im Westjordanland in Gefahr. „Uns liegen Berichte vor, wonach rund 200 Familien die Region Bethlehem verlassen haben“, sagte Haddad am Samstag auf einer Pressekonferenz während der Generalsynode der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD) in Würzburg. Die Präsenz von Christen in Israel und Palästina sei wichtig, weil sie eine Art Brückenbauerfunktion einnehmen könnten.
Gerade junge Leute würden ihre Träume und ihre Perspektiven verlieren, sagte Haddad, der seit 2026 an der Spitze der lutherischen Kirche im Heiligen Land steht. „Wir hatten gehofft, dass sich die Situation verbessern würde. Aber seit meinem Amtsantritt hat sie sich immer weiter verschlechtert“, sagte er. Es gebe mittlerweile nicht mehr nur Straßensperren und Schwierigkeiten, nach Jerusalem zur Arbeit zu gelangen, oder den Verlust von Arbeitsplätzen. Es gebe mittlerweile auch mehr als 900 Straßensperren innerhalb des Westjordanlandes, die Wege für die dort lebenden Menschen enorm verlängerten.
Stellungnahmen reichen nicht aus
Er berichtete auch von seiner privaten Situation: Seine Familie erhalte keine Aufenthaltserlaubnis für Jerusalem. „Obwohl ich in Jerusalem geboren wurde, habe ich nur einen palästinensischen Ausweis. Meine Familie kann nicht mit mir zusammenleben, weil sie keine entsprechende Aufenthaltserlaubnis erhält“, erzählte er.
„Wir verlieren Generationen“, sagte Haddad. Er forderte die Kirchen in Deutschland zu einem gemeinsamen Handeln auf. Stellungnahmen und Appelle reichten nicht aus. „Wir müssen uns für die Menschlichkeit einsetzen. Wir müssen uns für Gerechtigkeit einsetzen, für jeden Menschen“, sagte er. Besuche von deutschen Partnern im Westjordanland seien etwa wichtig, Aufmerksamkeit auf das Leben und die Möglichkeiten vor Ort zu lenken.




