Historikerin erinnert an Anfänge des deutsch-israelischen Dialogs

Historikerin erinnert an Anfänge des deutsch-israelischen Dialogs

Tel Aviv, Berlin (epd). An den jüdischen Religionswissenschaftler Jochanan Bloch (1919-1979), der vor rund 70 Jahren den deutsch-israelischen Dialog mit auf den Weg brachte, hat die Historikerin Silja Behre erinnert. Bloch habe 1957 an der Freien Universität Berlin die Deutsch-Israelische Studiengruppe gegründet und damit eine der frühen Initiativen für den Austausch zwischen beiden Ländern angestoßen, sagte die in Tel Aviv forschende Wissenschaftlerin dem Evangelischen Pressedienst (epd). Dass die Gruppe auf die persönliche Initiative eines Israelis zurückgegangen sei, sei heute kaum bekannt.

Bloch habe jungen Deutschen ein eigenständiges Bild von Israel vermitteln wollen, erklärte Behre, Autorin der Bloch-Biografie „Zionistische Selbstbehauptung“: „Für ihn war klar: Die Deutschen sollten die Israelis als Israelis kennenlernen - und nicht als jüdische Deutsche.“ Dazu sei er mit jungen Studierenden nach Israel gereist. Die Studiengruppe habe zu den Wegbereitern der späteren Deutsch-Israelischen Gesellschaft gehört. Bloch habe sich dabei gegen eine Verengung der Beziehungen auf Versöhnung und Schuld gewandt.

Sprache als Heimat

Der 1919 in Berlin geborene Bloch musste 1933 mit seiner Familie vor den Nationalsozialisten fliehen und gelangte über mehrere Zwischenstationen nach Palästina. Später arbeitete er als Rechtsanwalt in Tel Aviv, bevor er mit einem Studienstipendium nach Deutschland zurückkehrte. Ein wesentlicher Beweggrund sei die deutsche Sprache gewesen, erläuterte Behre. Bloch habe schreiben wollen und festgestellt, dass er sich nur auf Deutsch ausdrücken konnte. Die Sprache sei für ihn zugleich die Sprache der nationalsozialistischen Täter und ein Stück Heimat gewesen.

Als säkularer Jude habe Bloch darauf bestanden, das Judentum nicht allein als Religionsgemeinschaft, sondern auch als Volk zu verstehen, sagte Behre. Später habe er mit Teilen der Linken über deren zunehmend antiimperialistisch begründete Israelkritik gestritten. Bloch kehrte nach Israel zurück und starb 1979 kurz vor seinem 60. Geburtstag bei einem Verkehrsunfall in Thailand.