Deutschland unterstützt Elektrifizierungsziel bei Klimakonferenz

Deutschland unterstützt Elektrifizierungsziel bei Klimakonferenz
In wenigen Tagen beginnt die 31. Weltklimakonferenz. Umweltminister Schneider warnt kurz vor dem Auftakt eindringlich vor einer Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen.
06.11.2026
epd
Von Moritz Elliesen (epd)

Berlin (epd). Kurz vor Beginn der 31. Weltklimakonferenz (COP 31) hat die Bundesregierung sich der Initiative für einen Ausbau der Elektrifizierung angeschlossen. Auch vor dem Hintergrund der Energiekrise infolge des Iran-Kriegs warb Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) am Freitag in Berlin für einen Ausbau bei der weltweiten Stromversorgung. Deutschland werde das Elektrifizierungsziel, das vom COP-Gastgeber Türkei und Co-Vorsitz Australien auf die Agenda gesetzt wurde, unterstützen, sagte der Umweltminister. Weitere Länder würden folgen.

Die COP 31 beginnt am Montag in der türkischen Stadt Antalya. Das Elektrifizierungsziel sieht vor, den Stromanteil am globalen Endenergieverbauch bis 2035 auf 35 Prozent zu erhöhen. Derzeit liegt der Anteil weltweit bei rund 23 Prozent. In Deutschland deckt Strom nach Angaben des Umweltministeriums 22 Prozent des Endenergieverbrauchs ab.

„Extrem hoher Preis“ für fossile Abhängigkeit

Neben erneuerbaren Energien und einer Verbesserung der Energieeffizienz bezeichnete Schneider die Elektrifizierung als eines der Gegenmittel gegen die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern. Konkret verwies der SPD-Politiker auf Elektroautos, Wärmepumpen, „aber auch moderne elektrische Industrietechnologie“. Die Menschheit zahle derzeit einen „extrem hohen Preis für ihre fossile Abhängigkeit“, sagte Schneider. Seit man nicht mehr sicher sein könne, ob die Straße von Hormus befahrbar sei, müsse man mit hohen Preisen für Benzin, Diesel und Gas, aber auch für Lebensmittel zurechtkommen.

Zu dem Klimagipfel werden Delegierte aus fast 200 Staaten erwartet, um über die nächsten Schritte zur Eindämmung der Erderwärmung zu beraten. Das Gastgeberland Türkei teilt sich den Vorsitz mit Australien. Die Verhandlungen enden offiziell am 20. November. Das Elektrifizierungsziel ist einer der Schwerpunkte der Konferenz. Umweltschützer begrüßen das Ziel grundsätzlich, wollen aber sicherstellen, dass der Strom aus erneuerbaren Energien stammt.

Merz bleibt der Klimakonferenz fern

Deutschland wird in der zweiten Konferenzwoche von Umweltminister Schneider vertreten. Eine Reise von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) zum Gipfel ist nicht geplant. Regierungssprecher Stefan Kornelius verwies am Freitag zur Begründung auf einen vollen Terminkalender. Unter anderem stehe die Bereinigungssitzung des Haushaltsausschusses des Bundestages an.

Derzeit hinken die Staaten dem Pariser Klimaziel, die Erderwärmung auf möglichst 1,5 Grad Celsius im Vergleich zur vorindustriellen Zeit zu begrenzen, weit hinterher. Laut Prognosen des UN-Umweltprogramms Unep droht mit der bisherigen Politik bis Ende des Jahrhunderts eine Erwärmung um 2,8 Grad. Daten des EU-Klimadienstes Copernicus von Freitag zeigen, dass der vergangene Oktober der wärmste seit Beginn der Aufzeichnungen war. Die globale Durchschnittstemperatur lag demnach 1,75 Grad über dem vorindustriellen Referenzwert (1850-1900). Damit dürfte 2026 auch im Jahresschnitt die 1,5-Grad-Marke mit großer Wahrscheinlichkeit überschritten werden, hieß es.

Verbände mahnen Einsatz für Fossilen-Ausstieg an

Die Klima-Allianz Deutschland und der entwicklungspolitische Verband Venro riefen die Bundesregierung auf, sich in Antalya für den Ausstieg aus Kohle, Öl und Gas einzusetzen. Deutschland solle dies als Teil einer Vorreiter-Allianz vorantreiben und nicht warten, bis sich alle Staaten geeinigt haben, hieß es einer gemeinsamen Mitteilung.