Washington (epd). Tech-Milliardär Elon Musk, ein Mann mit Geschäftsinteressen in Texas, soll für die Senatswahl weit mehr als 200 Millionen Dollar gegen den demokratischen Anwärter James Talarico gespendet haben. Das hat nicht funktioniert. Am Dienstag hat der Demokrat den Republikaner Ken Paxton, einen engen Bundesgenossen von US-Präsident Donald Trump, deutlich geschlagen.
Seinen Sieg feierte der junge Politiker mit einem Bibelbezug. Sein Erfolg lasse ihn an „die Geschichte aus der Schrift denken über einen kleinen Jungen“, der mit einer Steinschleuder gegen einen schwer bewaffneten Riesen gekämpft habe. „David hatte Hoffnung und Glauben und eine Schleuder“, sagte Talarico zu seinen Wählern, „die Menschen aus Texas waren meine Schleuder“.
Schwieriges Pflaster
Talarico spricht generell häufig über seinen Glauben und hat auch ein Theologiestudium begonnen. Sein Großvater, ein Baptistenprediger, habe ihm beigebracht, dass es zwei zentrale Gebote gebe: Liebe zu Gott und zum Mitmenschen. Sein Wahlsieg zeige, dass die Politik der Liebe gegen die Politik des Trennens gewinne, sagte Talarico.
Texas ist ein schwieriges Pflaster für Demokraten. Das letzte Mal hat der Staat 1988 einen demokratischen Senator gewählt. Der künftige Senator war zu der Zeit noch gar nicht geboren. Texas liegt im sogenannten Bibelgürtel im Süden mit einer mächtigen konservativen und evangelikalen Präsenz. Talarico hingegen gehört der Presbyterianischen Kirche an, einer bei gesellschaftlichen Fragen wie Abtreibung und Gender toleranten Kirche.
2018 wurde der heute 37-Jährige in das Repräsentantenhaus von Texas gewählt. Er trat für verbesserte Schulen ein, für die Kostenreduktion von Insulin und gegen ein Gesetz, dass Schulen Poster mit dem Text der biblischen Zehn Gebote aufhängen müssen. Die Zehn Gebote seien ihm wichtig, doch christliche Werte sollten durch Nächstenliebe gezeigt werden.
Gegen die Macht des Gelds
Republikaner in Texas sezierten Talaricos Aussagen, darunter eine gegen Diskriminierung von Trans-Menschen, denn Gott sei zugleich maskulin und feminin. Talarico sei irgendwie nicht männlich genug, hieß es, möglicherweise sogar Veganer.
Im Wahlkampf vor den Midterms genannten Zwischenwahlen verurteilte Talarico die Macht des Gelds in der Politik. Wie auch andere Demokraten betonte er das Problem der hohen Lebenshaltungskosten, für die Präsident Trump und die Republikaner verantwortlich seien.
Daten über die Wählerschaft des Demokraten liegen bislang nicht vor. Die stark auf Diversität ausgerichtete Demokratische Partei hat seit Jahren Schwierigkeiten beim Umgang mit weißen protestantischen und evangelikalen Wählern. Talarico ist eine Ausnahmeerscheinung mit seinen für viele offenbar glaubhaften Hinweisen auf die Bibel. An dessen Gegenkandidaten Paxton hingegen kleben gleich mehrere Korruptions- und Amtsmissbrauchs-Skandale.
Kostspieliger Wahlkampf
Der Wahlkampf in Texas war außerordentlich kostspielig. Im dritten Quartal 2026 habe Talarico 64 Millionen Dollar Wahlspenden eingenommen, berichtete die Zeitung „Texas Tribune“. Vieles davon in kleinen Spenden. Doch ein politisches Komitee für Talarico habe zehn Millionen Dollar erhalten von dem Tech-Milliardär Reid Hoffman.
Talarico tritt sein Amt im Januar an. Wegen der Erfolge der Demokratischen Partei bei der Zwischenwahl am Dienstag findet der junge Senator einen mehrheitlich demokratischen Senat vor - und einen Präsidenten, der ihn mehrmals heftig kritisiert hat.




