Sea-Watch: 2026 mehr Gewalt gegen Seenotretter im Mittelmeer

Sea-Watch: 2026 mehr Gewalt gegen Seenotretter im Mittelmeer
Seit 2016 hat Sea-Watch mehr als 100 Fälle registriert, in denen die libysche Küstenwache und Milizen Gewalt gegen Flüchtlinge und Retter eingesetzt hat. Allein in diesem Jahr listet die Seenotrettungsorganisation bislang mehr als zwei Dutzend.

Berlin (epd). Seenotretter und Flüchtlinge im Mittelmeer sind in diesem Jahr laut einer Zusammenstellung von Sea-Watch bereits mehr als zwei Dutzend Mal angegriffen oder bedroht worden, vor allem vonseiten der libyschen Küstenwache. Das Jahr 2026 sei mit bislang 26 dokumentierten Fällen das gewaltvollste auf dem Mittelmeer seit Beginn der Aufzeichnungen 2016, erklärte die Seenotrettungsorganisation am Mittwoch in Berlin.

Insgesamt habe es in den vergangenen zehn Jahren mehr als 100 erfasste Vorfälle gegeben, bei denen die libysche Küstenwache und libysche Milizen Gewalt gegen Flüchtende und Retter eingesetzt hätten. Die Zahl der nicht dokumentierten Übergriffe werde als wesentlich höher eingeschätzt. In diesem Jahr seien zweimal Beschüsse von Personen oder Rettungsschiffen verzeichnet worden. In mehreren Fällen seien Geflüchtete gezwungen worden, über Bord zu gehen. Rettungsschiffe seien illegal angewiesen worden, den Ort zu verlassen. Aufgelistet werden weiter vorsätzliche gefährliche Manöver und Verfolgung von Booten in Seenot, Behinderung von Rettungsaktionen oder Schläge gegen Personen in Not.

Mehr als 2.000 Tote oder Vermisste

Die libysche Küstenwache sei über die Jahre hinweg für mehr als 70 Prozent der Vorfälle verantwortlich gewesen, erklärte Sea-Watch. Dass sie von der Europäischen Union und EU-Mitgliedstaaten ausgebildet, ausgerüstet und finanziert werde, sei nicht tragbar.

Das Mittelmeer zählt zu den gefährlichsten Fluchtrouten der Welt. Immer wieder versuchen Migranten und Geflüchtete, auf diesem Weg nach Europa zu kommen. Trotz der Risiken brechen sie häufig in nicht seetauglichen Booten auf. Laut der Internationalen Organisation für Migration (IOM) sind seit Beginn des Jahres mindestens 2.047 Menschen bei der Überfahrt gestorben, oder sie werden vermisst.