Bielefeld (epd). Die Zukunft der deutschen Protestaktionen der Initiative „Gen Z regelt“ hängt nach Einschätzung des Konfliktforschers Andreas Zick von einem Ziel mit Bindungskraft ab. Zentral werde für die Protestbewegung sein, „ein positives Ziel zu formulieren“, sagte der Konfliktforscher dem Evangelischen Pressedienst (epd). Das sei nach dem Wochenende, das nach den Protesten zu Aggression und Gewalt geführt hat, die Herausforderung für alle Organisatoren.
„Die Chancen, dass sich der Protest weiterentwickeln wird, sind aber groß angesichts der Lage von jungen Menschen in Europa“, sagte der Direktor des Instituts für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung der Universität Bielefeld. Vielen gehe es gut, aber einigen Gruppen gehe es eben schlecht. Die soziale Ungleichheit werde sichtbarer, der Klimawandel sei weiter protestfähig und der Wunsch nach besseren Schulen könne antreiben.
Forscher: „Gewalt muss unattraktiv sein“
Um bei weiteren Protesten Ausschreitungen zu verhindern, braucht es nach Worten Zicks „gute Risiko-Bedrohungsanalysen“, die die Ordnungskräfte, Polizeien und Organisatoren gemeinsam besprechen. Zentral sei bei der Gewaltprävention auch eine gute Organisation des Protestraumes. Gewaltbereite Gruppen müssten vorher angesprochen werden. Die Organisatoren der nächsten Proteste sollten laut Zick auch prüfen, ob sie Feindbilder transportieren. „Protest muss sich gegen etwas richten, aber zugleich positive Ziele formulieren, die motivierend sind“, erklärte der Wissenschaftler. „Gewalt muss unattraktiv sein und die Kosten für die Gewalt sollten hoch sein.“
Die Gründe für die Ausschreitungen am Wochenende bei einem Teil der Aktionen in Deutschland sind nach Einschätzung des Konfliktforschers unterschiedlich. Teilweise sei es „um banale Gewalt und Kriminalität“ gegangen, weil kleinere Gruppen den Protest und vor allem die Halloween-Nacht genutzt hätten. Zudem habe es Gewalt gegen Polizei gegeben. Es habe auch „eine erlebnisorientierte Gewalt und Kriminalität“, gegeben, sagte Zick. „Es war Halloween-Nacht und es gibt immer Gruppen, die Spaß an der Aggression haben.“
Zudem habe es Gruppen gegeben, die mit den Protesten ein Zeichen gegen den Kapitalismus setzen wollten, erklärte der Wissenschaftler. Das hätten dann Gruppen aufgegriffen, um Plünderungen als Protest zu inszenieren, obwohl das mit den Protesten nichts zu tun habe. Kleine gewaltbereite Gruppen hätten es leichter in großen Protesten. Außerdem hätten Rechtsextreme versucht, Gewalt zu provozieren, sagte Zick.




