Frankfurt a.M. (epd). Zum Reformationstag haben leitende evangelische Geistliche zu Mut aufgerufen und an die Kraft des Glaubens erinnert. Der Tag bietet nach den Worten des Bischofs Ralf Meister die Chance für eine Rückbesinnung auf das Wesentliche im evangelischen Glauben. Auch im Glaubensleben könne sich vieles ansammeln, was einmal hilfreich gewesen und irgendwann schwer geworden sei, erklärte der Leitende Bischof der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands in einer am Samstag veröffentlichten Online-Andacht. „Dann braucht es den Mut, neu zu fragen: Was trägt wirklich?“, sagte er.
Meister, der auch Bischof der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers ist, zog dabei einen Vergleich zu einem technischen Neustart. Wenn sich digitale Programme gegenseitig blockierten und das System überladen sei, bleibe oft nur ein „Reset“ auf die Werkseinstellung. Was eingerichtet und gespeichert worden sei, gehe womöglich verloren, doch liege genau darin die Möglichkeit für einen Neuanfang.
Besonderheit der kirchlichen Botschaft Botschaft
Die pfälzische Kirchenpräsidentin Dorothee Wüst hob die Besonderheit der kirchlichen Botschaft hervor. „Kirche muss nicht klingen wie alles andere“, sagte sie laut Predigtmanuskript in der Dreifaltigkeitskirche in Speyer. Das Evangelium „spricht von Gnade, wo nach Leistung gefragt wird. Von Vergebung, wo Menschen auf ihre Fehler festgelegt werden“, sagte sie.
Die braunschweigische Landesbischöfin Christina-Maria Bammel mahnte grundlegende Verbesserungen im Bildungswesen und mehr Unterstützung für engagierte Jugendliche an. Die Gesellschaft müsse die Sorgen der jüngeren Generation ernster nehmen, sagte sie am Samstag.
Fehrs: Brauchen in der Politik mehr Mut
Die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Kirsten Fehrs, hatte anlässlich des Reformationstages zu mehr Toleranz gegenüber Fehlern aufgerufen. „Wir brauchen im Alltag wie in der Politik mehr Mut, Fehler einzugestehen, und mehr Großzügigkeit gegenüber Menschen, die das tun“, erklärte die Hamburger Bischöfin. Eine Gesellschaft, die keine Fehler verzeihe, nehme sich selbst die Chance zum Dazulernen.
Die reformatorische Erkenntnis, dass der Mensch auf Gottes Gnade vertrauen dürfe, eröffne einen anderen Umgang mit den eigenen Unzulänglichkeiten, sagte Fehrs. Es gebe immer die Möglichkeit, neu anzufangen.
Der Reformationstag am 31. Oktober erinnert an die Anfänge der Evangelischen Kirche. Um den 31. Oktober 1517 herum verbreitete der damalige Augustinermönch Martin Luther (1483-1546) 95 Thesen gegen kirchliche Missstände, dies wurde zum Ausgang einer christlichen Erneuerungsbewegung. Der Reformationstag ist in allen ostdeutschen Bundesländern außer Berlin gesetzlicher Feiertag. 2018 haben außerdem die norddeutschen Bundesländer Bremen, Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein den Reformationstag zum Feiertag erklärt.



