Berlin (epd). Schwer kranke und verletzte Kinder im Gaza-Streifen haben laut „Save the Children“ kaum eine Möglichkeit für eine medizinische Behandlung im Ausland. Die medizinischen Evakuierungen seien seit dem ersten Kriegsjahr um 75 Prozent zurückgegangen, teilte die Kinderhilfsorganisation am Freitag mit. Neben Kriegsverletzungen litten viele Kinder an psychischen Belastungen wie Sprachstörungen, Aggressionen und traumabedingten Autoimmunerkrankungen.
„Save the Children“ bezieht sich auf Zahlen der Weltgesundheitsorganisation, wonach seit Oktober 2023 mehr als 6.400 Kinder aus dem Gaza-Streifen medizinisch evakuiert wurden, davon 4.163 Mädchen und Jungen im ersten Kriegsjahr. In den vergangenen zwölf Monaten sei die Zahl auf 1.014 gesunken. Derweil warteten dem Gesundheitsministerium im Gaza-Streifen zufolge aktuell 21.000 Menschen auf eine medizinische Behandlung im Ausland. Ein Viertel davon seien Kinder. Laut UN-Angaben sind in ganz Gaza alle Krankenhäuser beschädigt, die Hälfte ist zumindest teilweise noch funktionsfähig.
Korridor zum Westjordanland gefordert
„Den Kindern im Gaza-Streifen wird eine echte Kindheit verwehrt“, sagt Ahmad Alhendawi, Regionaldirektor von „Save the Children“. „Die Jahre, in denen Kinder lernen, spielen und von ihrer Zukunft träumen sollten, sind von Gewalt, Verlust, Hunger und Vertreibung geprägt.“ Die internationale Gemeinschaft müsse mehr tun, um die Gewalt zu stoppen und einen dauerhaften Zugang zu humanitärer Hilfe zu gewährleisten. Auch spezialisierte medizinische Versorgung müsse es geben.
Konkret forderte die Kinderhilfsorganisation, den medizinischen Korridor aus dem Gaza-Streifen zum Westjordanland wieder zu öffnen. Zudem müssten Transporte in andere Länder sichergestellt werden, sofern eine Behandlung in den von Israel besetzten palästinensischen Gebieten nicht möglich ist. Das Recht auf Rückkehr müsse in diesen Fällen gewahrt werden.




