Journalist Henze erwartet enges Rennen bei US-Zwischenwahlen

Journalist Henze erwartet enges Rennen bei US-Zwischenwahlen
Der WDR-Journalist Arnd Henze hält den Ausgang der US-Zwischenwahlen für vollkommen offen. Der studierte Theologe beobachtet eine Rückkehr christlicher Werte in die politische Debatte der USA.
28.10.2026
epd
epd-Gespräch: Michael B. Berger

Hannover, Washington (epd). Der Fernsehjournalist und Buchautor Arnd Henze rechnet für die Zwischenwahlen in den USA am 3. November mit einem extrem knappen Ausgang und harten juristischen Auseinandersetzungen. „Der Ausgang ist völlig offen, und es ist kaum vorstellbar, dass am Ende beide Seiten ein knappes Ergebnis ohne Klagen akzeptieren“, sagte er dem Evangelischen Pressedienst (epd). US-Präsident Donald Trump werde aus Prinzip keine Niederlage anerkennen, während die Demokraten manipulierte Ergebnisse reklamieren dürften.

Nach Ansicht von Henze steht der US-Präsident vor den Wahlen unter erheblichem Druck. Bei einem Wahlsieg der Demokraten entstünde im Kongress erstmals wieder ein wirksames Gegengewicht zu seiner Regierung. Sollte die Opposition die Mehrheit gewinnen, drohten Trump detaillierte Untersuchungen zu Korruption und Machtmissbrauch. Zudem treibe den Präsidenten die Furcht vor einem neuen Amtsenthebungsverfahren um, sagte Henze, der in den USA studiert und als Journalist häufig von dort berichtet hat.

Rückkehr christlicher Werte

Zugleich sieht der Publizist einen grundlegenden Wandel im Verhältnis von Religion und Politik. Anders als früher beherrsche der radikale christliche Nationalismus den öffentlichen Raum nicht mehr allein. Ein weltoffenes Christentum verschaffe sich zunehmend wieder Gehör. Demokratische Kandidaten konfrontierten konservative Wähler inzwischen direkt mit der Frage nach der Nächstenliebe, sagte der Theologe, der Mitglied in der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) ist.

Nach seiner Beobachtung hat Trump in weiten Teilen der Wählerschaft massiv an Rückhalt eingebüßt. Umfragen wiesen ihn als unpopulärsten Präsidenten der US-Geschichte aus. Vor allem unter Latinos, der Jugend und unabhängigen Wählern verliere er Unterstützung. Der harte Kern seiner Bewegung habe sich dagegen parallel radikalisiert und trage selbst härteste Deportationsmaßnahmen mit.

Gegenentwurf zur Spaltung

Der Begriff der Empathie verdeutlicht aus seiner Sicht die tiefe Spaltung des Landes. Eine Umfrage zeige eine bemerkenswerte Kluft zwischen weißen Evangelikalen und dem Rest der US-Gesellschaft. Während bei Nichtreligiösen und moderaten Christen mehr als 75 Prozent Mitgefühl als zentralen Wert befürworteten, liege die Zustimmung bei weißen Evangelikalen nur bei 42 Prozent: „Die Kehrseite der apokalyptisch-kriegerischen Narrative in der Maga-Bewegung ist die völlige Diskreditierung menschlichen Mitgefühls.“