EKD-Cheftheologe: Reformation hat Bildungsgerechtigkeit ermöglicht

EKD-Cheftheologe: Reformation hat Bildungsgerechtigkeit ermöglicht
Die Reformation vor mehr als 500 Jahren prägt nach Ansicht von EKD-Vizepräsident Stephan Schaede das Bildungswesen und die Demokratie bis heute. Zudem habe Luthers Denken die Würde des Einzelnen gestärkt - unabhängig von seiner sozialen Herkunft.
28.10.2026
epd
epd-Gespräch: Jörg Nielsen

Hannover (epd). Der Vizepräsident des Kirchenamtes der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Stephan Schaede, sieht im Erbe der Reformation einen Auftrag zur Überwindung sozialer Ungleichheit. Dafür sei „Bildung die beste Sozialinvestition, die wir tun können“, sagte der Theologe dem Evangelischen Pressedienst (epd) zum Reformationstag am 31. Oktober. Ohne den Impuls der Reformatoren, dass allen Menschen unabhängig von ihrer Herkunft gleiche Würde zukomme, herrsche in Deutschland heute womöglich ein deutlich exklusiveres Schul- und Bildungssystem.

Bildung zahle positiv auf die soziale und ökonomische Lage ein, unterstrich der Theologe. Ziel müsse sein, Menschen zur Selbstwirksamkeit zu befähigen, statt sie von staatlichen Hilfen abhängig zu machen.

Reformationstag als „fröhliches Demokratie- und Glaubensfest“

Überlegungen von Politikern und Wirtschaftsverbänden Feiertage wie den Reformationstag aus wirtschaftlichen Gründen abzuschaffen, wies Schaede zurück. Die These, ein Feiertag wirke ökonomisch zerstörerisch, treffe nicht zu, wie Bundesländer mit vielen freien Tagen bei gleichzeitig hoher Wirtschaftskraft zeigten. „Wir sollten den 31. Oktober als fröhliches Fest des Glaubens und der Demokratie feiern“, forderte Schaede. Kirchengemeinden sollten sich am Feiertag nicht hinter Mauern zurückziehen, sondern gezielt in ihre Nachbarschaften und Quartiere ausschwärmen.

Angesichts sinkender Mitgliederzahlen und knapperer Kassen warnte der Vizepräsident zugleich vor Resignation in der evangelischen Kirche. „Wir dürfen uns nicht wie ein Abwicklungsbetrieb verhalten, der alles nur immer weiter verkleinert“, mahnte der Theologe. Bei allen unumgänglichen Einsparungen und Strukturveränderungen dürfe der Blick nicht an Verlusten hängenbleiben. Vielmehr komme es darauf an, trotz des Wandels „mutig und unternehmerisch“ neue Initiativen zu wagen.