Bundesjugendring hält "Gen Z"-Proteste für berechtigt

Bundesjugendring hält "Gen Z"-Proteste für berechtigt
Vor den "Gen Z"-Protesten am Samstag mahnt der Bundesjugendring, die Anliegen junger Menschen ernst zu nehmen. Gesellschaftlicher Reichtum müsse zwischen und innerhalb der Generationen gerecht verteilt werden.
27.10.2026
epd
epd-Gespräch: Jonas Grimm

Berlin (epd). Der Deutsche Bundesjugendring (DBJR) sieht in den geplanten bundesweiten „Gen Z“-Protesten eine legitime Kritik an realen Missständen. „Wer ungleiche Bildungschancen erlebt, keine bezahlbare Wohnung findet oder bei Entscheidungen über die eigene Zukunft kaum Einfluss hat, erwartet zu Recht politische Veränderungen“, sagte die DBJR-Vorsitzende Daniela Broda am Dienstag in Berlin dem Evangelischen Pressedienst (epd). Sie erwarte von politischen Entscheidungsträgern, dass diese Kritik ernst genommen werde.

Auch dürften die Demonstrierenden nicht „pauschal unter Gewaltverdacht“ gestellt werden. „Wenn vor allem über mögliche Ausschreitungen gesprochen wird, geraten ihre politischen Anliegen aus dem Blick.“ Junge Menschen müssten „erfahren, dass ihre demokratische Einmischung erwünscht ist“. Gleichzeitig müssten konkrete Hinweise auf mögliche Gewalt ernst genommen werden. „Berechtigte Anliegen rechtfertigen keine Gewalt“, sagte Broda.

Keine pauschale Unterstützung aller Protestaufrufe

Für Samstag plant die Initiative „Gen Z regelt“, bundesweit in mehr als 20 Städten auf die Straßen zu gehen. In Frankreich begann vor einigen Wochen Schülerprotest, dem sich andere Gruppen anschlossen. Nachdem die Proteste dort teilweise in Ausschreitungen gemündet waren, wurde die Sorge geäußert, dass auch in Deutschland friedliche Demonstrationen gekapert würden.

Die Initiative „Gen Z regelt“ fordert unter anderem, etwas gegen „kaputte Schulen und Sparkurs“ zu unternehmen. Außerdem verlangt sie von der Politik, steigenden Lebenshaltungskosten und sozialen Ungerechtigkeiten entgegenzuwirken. Broda erklärte, die Unterstützung dieser Anliegen bedeute „allerdings keine pauschale Unterstützung aller Protestaufrufe und beteiligten Gruppen“.

Jugendring fordert Verteilung von Reichtum

Der Bundesjugendring fordere von der Politik, in gerechte Bildungsbedingungen, bezahlbaren Wohnraum und eine verlässliche öffentliche Infrastruktur einschließlich der Kinder- und Jugendhilfe zu investieren. Generationengerechtigkeit dürfe nicht als Begründung dienen, ausgerechnet an den Lebensbedingungen und Zukunftschancen junger Menschen zu kürzen. Broda forderte eine „gerechtere Verteilung des gesellschaftlichen Reichtums zwischen und innerhalb der Generationen“.

Ebenso seien gesetzlich verankerte Beteiligungsrechte nötig, die Absenkung des Wahlalters mindestens auf 16 Jahre und eine verbindliche Einbindung der demokratischen Selbstorganisationen junger Menschen, sagte die DBJR-Vorsitzende. Der Bundesjugendring ist ein Dachverband von Jugendorganisationen.