Ratschlag Kinderarmut: Sparkurs gefährdet Zukunftschancen

Ratschlag Kinderarmut: Sparkurs gefährdet Zukunftschancen
Mit einem Appell wenden sich mehrere Sozialverbände gegen geplante Kürzungen im Bundeshaushalt 2027. Sie kritisieren mögliche Einschnitte beim Wohngeld und beim Kindersofortzuschlag. Der Sparkurs gefährde die Zukunftschancen junger Menschen.

Berlin (epd). Der Ratschlag Kinderarmut hat einen Appell von mehr als 70 Organisationen und Einzelpersonen veröffentlicht, die Zukunftschancen junger Menschen zu sichern. Andernfalls seien der gesellschaftliche Zusammenhalt, demokratische Teilhabe und die Zukunftsfähigkeit Deutschlands in Gefahr, heißt es in einer Mitteilung vom Dienstag. Anlass des Aufrufs sind die Beratungen im Bundestag zum Bundeshaushalt 2027.

Die Forderungen tragen die Überschrift „Nicht an der Zukunft sparen - Jugendarmut bekämpfen, Teilhabe sichern.“ Im Kern geht es den Unterzeichnern darum, Verbesserungen für Jugendliche und junge Erwachsene anstelle von Kürzungen im Bundeshaushalt zu erreichen. Genannt werden zum Beispiel geplante Einschnitte beim Wohngeld oder beim Kindersofortzuschlag. Stattdessen brauche es „endlich Investitionen in eine starke soziale Infrastruktur und armutsfeste Sozialleistungen“, heißt es in dem Appell, den unter anderem das Deutsche Kinderhilfswerk, die Arbeiterwohlfahrt, die Caritas, der Paritätische Gesamtverband, die Diakonie und Save the Children unterschrieben haben.

Junge Menschen besser schützen und fördern

Ein Sozialstaat beweise seine Stärke gerade dann, wenn finanzielle Spielräume enger würden. „Er muss junge Menschen schützen, Übergänge absichern, gesellschaftliche Teilhabe ermöglichen und Zukunftsperspektiven eröffnen“, fordern die Unterzeichner. Reformen müssten Leistungen einfacher, zugänglicher und wirksamer machen und insbesondere diejenigen absichern, die von Armut und sozialer Ausgrenzung betroffen oder bedroht sind.

Diakonie-Präsident Rüdiger Schuch sagte, man brauche eine Politik, die das immer noch ungelöste Problem der viel zu hohen Kinder- und Jugendarmut endlich angehe: Armut sei kein Schicksal, sie könne und müsse überwunden werden. „Es ist unser aller Verantwortung, Kindern und Jugendlichen faire Chancen zu ermöglichen, unabhängig vom Einkommen ihrer Eltern. Das entlastet langfristig auch den Sozialstaat, denn Kinderarmut hat sehr hohe Folgekosten“, sagte der Diakoniechef.