Amtsinhaber Lula gewinnt Präsidentschaftswahl in Brasilien

Amtsinhaber Lula gewinnt Präsidentschaftswahl in Brasilien
Amtsinhaber Lula da Silva hat die Stichwahl um das Präsidentenamt in Brasilien für sich entschieden. Der unterlegene Flávio Bolsonaro erkennt das Ergebnis nicht an.
26.10.2026
epd
Von Christine Wollowski (epd)

Salvador da Bahia (epd). Bei der Präsidentschaftswahl in Brasilien geht der Sieg an Amtsinhaber Luíz Inácio Lula da Silva. Der linke Politiker bekam bei der Stichwahl am Sonntag 51, 8 Prozent der Stimmen, sein rechtsgerichteter Herausforderer Flávio Bolsonaro erhielt nach Angaben des Obersten Wahlgerichts 48,2 Prozent. Bolsonaro erklärte, das Ergebnis nicht anzuerkennen und verlangte eine Annullierung.

Mit seinem Wahlsieg steht der ehemalige Gewerkschaftsführer Lula, der an diesem Dienstag 81 Jahre alt wird, vor seiner insgesamt vierten Amtszeit. In der ersten Abstimmungsrunde am 4. Oktober hatte er noch zwei Prozentpunkte hinter Bolsonaro gelegen. Der Erfolg Lulas ist der erste Wahlsieg der Linken in Lateinamerika nach einer Reihe von Erfolgen von Rechtspopulisten in Chile, Kolumbien und Peru.

Über soziale Medien mobilisiert

Flávio Bolsonaro, der Sohn des ultrarechten Ex-Präsidenten Jair Bolsonaro, forderte die Aufhebung des Wahlergebnisses. Als Grund nannte er eine Entscheidung des Wahlgerichts, die Wahllokale zwei Stunden später zu schließen als vorgesehen, weil es am Wahltag vermehrt Ausfälle von Flügen und Störungen im Nahverkehr in mehreren Städten gegeben hatte. Laut der Tageszeitung „Folha de São Paulo“ ist nicht damit zu rechnen, dass einem solchen Antrag stattgegeben wird. Der Beschluss zur Verlängerung ging vom Obersten Bundesgericht STF aus.

Die beiden Kontrahenten um das Präsidentenamt hatten sich im Wahlkampf einen erbitterten Schlagabtausch geliefert, auch in sozialen Netzwerken. Vor der Stichwahl holte die dort bislang eher schwach aufgestellte Linke rasch auf. Zugleich löste ein Auftritt Bolsonaros bei einer TV-Debatte heftige Kritik aus, da der 45-Jährige Fragen Lulas unbeantwortet ließ und stattdessen auf Provokationen, Beleidigungen und Falschmeldungen setzte.

Kampf gegen soziale Ungleichheit

Lula versprach im Wahlkampf, weiter soziale Ungleichheit und Armut zu bekämpfen sowie in Gesundheit und in Bildung zu investieren. Kurz vor der Stichwahl verabschiedete der Kongress die Abschaffung der Sechs-Tage-Woche und bestätigte das Verbot von Online-Wettplattformen, zwei Erfolge für den Präsidenten.

Sowohl linke als auch rechtsgerichtete Regierungschefs in Lateinamerika beglückwünschten Lula zum Wahlsieg. Allein der argentinische Nachbar Javier Milei, der Bolsonaro im Wahlkampf unterstützt hatte, veröffentlichte in sozialen Medien Beiträge, die den Sieg infrage stellen. Die US-Regierung unter Donald Trump äußerte sich nicht offiziell, aber Trump-Anwalt Martin de Luca schrieb auf der Plattform X, angesichts der Verlängerung könne "die internationale Gemeinschaft einen eventuellen Wahlsieg Lulas nicht anerkennen”.

Glückwünsche aus Berlin

Die deutsche Staatsspitze übermittelte Lula ihre Glückwünsche zum Wahlsieg. „Gerade im Angesicht sich verschärfender geopolitischer Konfrontationen müssen unsere Demokratien zusammenstehen und eine starke multilaterale Ordnung auf Basis des Völkerrechts verteidigen“, erklärte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in einem Schreiben an Lula. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) gratuliere Lula und freue sich, die deutsch-brasilianische Partnerschaft weiter zu vertiefen, sagte der stellvertretende Regierungssprecher Sebastian Hille in Berlin.