Bahnhofsmission Köln: Trinkverbot behindert Arbeit nicht

Bahnhofsmission Köln: Trinkverbot behindert Arbeit nicht
Auf allen Bahnhöfen gilt jetzt ein striktes Alkoholkonsumverbot. Das sorgte auch für Kritik. Doch bei der Bahnhofsmission Köln heißt es, die DB-Sicherheit setze das Verbot mit Augenmaß durch. Die eigene Arbeit werde nicht behindert.

Köln (epd). Das generelle Verbot auf allen Bahnhöfen, Alkohol zu trinken, nährt die Befürchtung, dass obdachlose oder suchtkranke Menschen aus den Stationen vertrieben werden. In Köln ist das Verbot schon seit April in Kraft. Die stellvertretende Leiterin der ökumenisch getragenen Bahnhofsmission, Ursula Lennartz, kann keine Verschlechterung für die Menschen, die zu ihnen kommen, feststellen: „Mit den Gästen, die zu uns kommen, wird überwiegend gut umgegangen“, sagte sie dem Evangelischen Pressedienst (epd).

Ihre Mitarbeitenden hätten Übergriffe oder Vertreibungen von obdachlosen, auch alkoholisierten Menschen, durch das Sicherheitspersonal nicht erlebt. „Für uns ist wichtig, dass es bei der Regel gerecht zugeht. Es müssen für alle die gleichen Bedingungen gelten. Da werden wir als Bahnhofsmission mit darauf achten“, betonte Lennartz.

Menschen werden nicht abgewiesen

Eine Gefahr, dass vulnerable Gruppen durch das Verbot von den Stationen vertrieben werden, sieht sie nicht: „Das öffentliche Trinken ist untersagt, aber dieses Verbot wird ja gegenüber allen Gruppen durchgesetzt.“ Man habe eher befürchtet, „dass Menschen, die in prekären Situationen leben, krank sind oder ein Alkoholproblem haben, wegen der Hürde des Verbots nicht mehr den Weg zu uns in die Bahnhofsmission finden“. Doch das sei bisher nicht so. „Die Menschen kommen nach wie vor zu uns, sie werden bisher auch nicht von den Ordnungskräften abgewiesen.“

Anlaufstellen in Bahnhofsnähe

Zugleich sagte Lennartz, man komme schwieriger mit suchtkranken Menschen in Kontakt. „Wir bieten bei unseren Rundgängen Beratung und Hilfe an. Das wird schwieriger, denn die Betroffenen werden seltener im Bahnhof, sondern eher im Umfeld anzutreffen sein.“ Das sei ein ungelöstes Problem, betonte die Co-Leiterin. „Denn die Probleme sind ja nicht weg, wenn Betroffene den Bahnhof verlassen müssen. Sie werden weggeschickt, aber nicht zu einem anderen Ort hingeschickt.“ In Köln, aber vermutlich auch andernorts, seien Anlaufstellen in Bahnhofsnähe wünschenswert.

Das Trinkverbot hält Lennartz für richtig: „Es ist wünschenswert für Reisende, Kundinnen und Kunden und Bahnbeschäftigte, einen möglichst sicheren und sauberen Bahnhof zu haben.“ Niemand empfände es als gut, wenn herumgepöbelt werde. Unter Alkoholeinfluss sinke auch die Hemmschwelle, etwa zu Gewalt. Von der neuen Regelung profitierten auch vulnerable Gruppen wie obdachlose Menschen. „Denn auch sie sind Pöbeleien oder Gewalt von Menschen unter Alkoholeinfluss ausgesetzt.“